Sep 01 2010

Bildauswahl für Fotowettbewerbe – NME Music Photography Award

Tag: Allgemein,Bei den Anderen,NähkästchenWolfgang Heisel @ 20:30 76 views

Der New Music Express (NME) aus England hat einen Wettbewerb zur Musik-Fotografie ausgeschrieben und ich will mein Glück wagen und mich messen lassen. Das bringt eine der Gretchenfragen in der Fotografie unmittelbar zurück in meine Arbeit. Die Bildauswahl. Sie kann entscheidend für den Erfolg sein, gleichzeitig bedeutet sie für mich aber auch sich kritisch mit dem eigenen Werk auseinanderzusetzen, was durchaus schmerzhaft sein kann.

Aber von vorn:

Vom NME Music Photography Award habe ich vor ein paar Wochen eher durch Zufall erfahren und nach eingängiger Prüfung der Wettbewerbsbedingungen stand fest, dass ich mitmachen werde. In aller Kürze zu dieser Entscheidung:

Entscheidend war, dass es sich hier nicht um irgendeinen Hinterhofwettbewerb handelt und auch nicht den der nächstbesten Drogeriekette, sondern um das renomierteste Musikmagazin Großbritanniens, dass den Wettbewerb ausrichtet. Der Wettbewerb findet also in einem explizit musikjournalisten Rahmen statt. Außerdem waren die Wettbewerbsbedingungen erfüllbar und fair da es neben der Publikumswertung auch eine Jury gibt, die die eingereichten Fotos bewertet. Von reinen online-Publikumsbewertungen  halte ich sehr wenig bis gar nichts. Zu guter Letzt ist der wohl wichtigste Grund warum ich mich für eine Teilnahme entschieden habe aber die Tastache, dass es faire Copyright-Bedingungen gibt. Die eingereichten Fotos dürfen vom NME nur im Rahmen des Wettbewerbs verwendet werden und das auch nur zeitlich befristet. Das ist bei so manchem Fotowettbewerb anders. Leider sind die Preise die der NME auslobt nicht berauschend, aber es geht ja auch mehr um Ruhm und Ehre als um kapitalistische Interessen.

Aber nun zur eigentlichen Aufgabe. Wie finde ich das beste Bild für den Wettbewerb in meinem Portfolio?

Zunächst die Rahmenbedingungen, die der Wettbewerb vorgibt. Es gibt zwei von einander getrennte Wertungen für Amateure und für Profis. Dass ich bei den Profis mitmachen würde – streng nach den Regeln des Wettbewerbs könnte ich auch als Amateur antreten – ergab sich aus meinem persönlichen Anspruch und der Tatsache das hier zumindest ein attraktiver Hauptpreis winkt. Leider gibt es in der Profiwertung keine Kategorien, die den Inhalt der eingereichten Bilder näher bestimmen. Das macht die Bildauswahl eher schwerer, weil man keine Anhaltspunkte hat, gibt aber auch mehr Freiheiten.

Auf den ersten Blick klingt also alles ganz einfach. Die fünf besten Fotos aus dem Jahr 2010 sind gefragt, schnell das eigene Portfolio durchwühlen und glücklich sein. Das ist leichter gesagt als getan. Jeder Fotograf ist schließlich von seinen Bildern überzeugt und oft fällt es schwer alleine nach einem allgemeinen Maßstab wie gut oder schlecht auf die fünf definitiven Wettbewerbskandidaten zu kommen.


Außerdem müssen bei einem Fotowettbewerb andere Maßstäbe an ein Foto gelegt werden als bei einer Magazinveröffentlichung oder der Auswahl für das eigene Portfolio. Ein gutes Foto wird zwar immer ein gutes Foto bleiben und ein schlechtes ein schlechtes, aber um sich unter lauter guten Fotos durchsetzen zu können sollte man auf den Zusammenhang in dem das Foto gezeigt wird achten.

Was heißt das konkret für die Auswahl der Wettbewerbsfotos? Hier hilft ein Perspektivenwechsel. Bei den Fotos die man bei einem Wettbewerb einreicht kommt es nicht darauf an, dass sie mir gefallen, sondern der Jury.

Triff die Bildsprache des Veranstalters

Um herauszufinden was der Jury gefallen könnte ist es ratsam sich anzusehen was im Umfeld des Wettbewerbes veröffentlicht wird. Für den konkreten Fall heißt das: Welche Bilder werden im NME bevorzugt abgedruckt. Dieser Tipp ist noch recht vage und man mag ihm auch entgegenhalten, dass es vielleicht auch empfehlenswert ist von der üblichen Bildsprache abzuweichen. Das ist sicherlich richtig und führt direkt zu Tipp Nummer zwei.

Heb dich von der Masse ab.

Die Jury eines frei zugänglichen Wettbewerbs muss mehre tausende Fotos sichten. Darunter sicherlich eine ganze Reihe von guten und sehr guten Fotos. In die engere Wahl kommt unter diesen Bedingungen sicherlich nur wer es schafft im Gedächtnis der Jury zu bleiben auch wenn diese noch hundert Fotos nach den meinen gesehen hat. Es empfiehlt sich also Fotos einzureichen die in irgendeiner Hinsicht besonders sind und sich von der Masse der Fotos abheben. Gut ist es zum Beispiel immer das Thema des Wettbewerbs kreativ auszulegen und nicht das Motiv einzureichen an das jeder sofort denkt der das Thema liest. Trotzdem dürfen die Fotos aber auch nicht zu speziell oder abstrakt sein. Es muss schließlich noch klar zu erkennen sein warum die Fotos in den Wettbewerb passen. Achtung auch mit Fotos die technisch nicht ausgereift sind. Ein kreatives Motiv entschuldigt keine technischen Mängel.

Nutze die Bilderserie

Im Falle des NME Music Photography Award war ausdrücklich gefordert, dass die fünf eingereichten Bilder “ein zusammenhängendes Portfolio” ergeben. Aber auch wenn dies nicht explizit gefordert ist empfehle ich Fotos einzureichen die zusammen passen. Das steigert wieder die Chancen im Gedächtnis der Jury zu bleiben, denn es ist nicht mehr das eine Bild mit der positiven Eigenschaft sondern derer gleich fünf.

Ich muss zugeben, dass ich mir selbst sehr schwer damit getan habe diese Tipps zu beherzigen. Zum einen isst es natürlich eine Frage des vorhandenen Materials und zum anderen galt es aus meiner Sicht beim NME Music Photography Award zwischen der gelungenen Bilderserie und dem besten Einzelbild abzuwägen. Die Ausschreibung gab hier keine eindeutigen Hinweise. Dort war nur vermerkt, dass die Fotos sowohl einzeln als auch in der Serie beurteilt würden. Am Ende meines Auswahlprozesses hatte ich zwei mehr oder weniger feste Bilderserien von je fünf Fotos.

Der einen Serie würde ich auch jetzt noch zusprechen, dass sie eher über ein eigenständiges Merkmal verfügt, das sie eventuell besonders macht. Die andere Serie hat meiner Meinung nach die stärkeren Einzelbilder. Auch nach langem hin und her Überlegen und mehreren Gesprächen mit guten Freunden und erprobten Kritikern meiner Arbeit kam ich zu keinem Ergebnis.
Letztendlich viel die Entscheidung für vier Fotos aus der einen Serie, ergänzt um das Foto von Shantel mitten im Publikum.

Ich bin meinen eigenen Vorsätzen also tatsächlich nicht ganz treu geblieben. Am Ende hoffe ich mit der Bilderserie starke Einzelbilder abgegeben zu haben, die teilweise auch alternative Motive zeigen und sich eben nicht nur auf Sanger am Mikro beschränken.
Wer mag der kann durch einen Klick auf das jeweilige Foto zur Seite des NME gelangen und dort für meinen Beitrag abstimmen. Dazu ist keine Anmeldung oder Ähnliches notwendig.

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Aug 25 2010

Flattr, Über mich und aus dem Nähkästchen

Tag: Allgemein,Ankündigung,In eigener SacheWolfgang Heisel @ 18:00 49 views

Es ist August und wieder einmal Zeit ein paar Neuigkeiten auf meiner Seite offiziell zu verkünden.
Erstens: Auf www.wolfgangheisel.de wird seit ein paar Tagen geflattrt. Von den vielen neuen Dingen die es im Netz so gibt finde ich Flattr eine der besten Erfindungen überhaupt. Worum geht es? Flattr ist ein Dienst mit dem man auf sehr einfache Weise Webseiten und Online-Projekten ein wenig Geld zukommen lassen kann. Grundvoraussetzung hierfür ist, dass man einen Account bei flattr.com anlegt und dort einen gewissen Betrag einzahlt. In einem zweiten Schritt kann man dann festlegen wieviel Geld man bereit ist jeden Monat für Webinhalte auszugeben, der Mindesbetrag ist 2 Eur. Dieser Betrag wird dann unter all den Seiten aufgeteilt auf denen man im Aktuellen Monat den Flattr-Button angeklickt hat. Ein aus meiner Sicht durchaus positiver Nebeneffekt der ganzen Sache: Es wird eine gewisse Verbindlichkeit geschaffen. Flattr zwingt zwar niemanden Geld auszugeben, aber hat man einmal einen monatlichen Betrag festgelegt müsste man diesen wieder ausdrücklich auf Null zurücksetzen. Da es ein Prepaid-System ist  muss man aber auch keine Angst haben mehr Geld auszugeben als man wirklich will. Und mal ehrlich. Viele sind durchaus Bereit für Webinhalte die sie gut finden zu bezahlen. Aber wer spendet schon umständlich? Flattr macht die Sache einfach.
Übrigens mache ich mir keine unrealistische Hoffnung mit dem Flattr-Button auf meiner Seite plötzlich eine Goldgrube aufzumachen. Ich verstehe mich hier mehr als Geber denn als Empfänger, aber ich freue mich auch über jeden Cent der mir auf diesem Wege hilft meine Seite zu finanzieren.

Drei weitere etwas kleinere Ankündigungen gibt es noch. Auf der Seite “Über mich” gibt es nun etwas mehr über mich zu erfahren als früher.
Rechts gibt es ein neues Werbebanner von Eventim, das ich ausdrücklich so verstanden wissen will wie ich es überschrieben habe. Als Konzerttipps. Dort erscheinen nur Bands die grade Touren, die ich auch weiterempfehlen will. Diese suche ich auch gezielt aus. Nebenbei ist das vielleicht auch ein Wink auf welchen Konzerten ich demnächst vielleicht fotografieren werde. Und wer über dieses Banner bei Eventim einkauft der Unterstützt mich so ebenfalls.
Last but not least eröffne ich in den nächsten Tagen eine neue Kategorie hier auf www.wolfgangheisel.de Unter dem Titel “Nähkästchen” werde ich in zukunft aus eben diesem plaudern und auf ein paar Themen rund um die Konzertfotografie eingehen die nicht direkt etwas mit den Konzerten die ich grade besucht habe zu tun haben. Also ein Platz für Tipps und Tricks, kurze How-tos oder Erfahrungsberichte allgemeinerer Art.

Ich hoffe ihr seid gespannt und es ergibt sich auch die ein oder andere Diskussion in den Kommentaren.


Aug 14 2010

El Puchero del Hortelano auf dem Horizonte Festival 2010

Tag: Allgemein,KonzertfotosWolfgang Heisel @ 19:00 47 views

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El Puchero del Hortelano – der Gemüsetopf des Gärtners – legten auf dme Höhepunkt des zweiten Tags Horizonte Festival 2010 einen rasanten Auftritt hin. Neben Licht in allen Farben wechselte auch das Geschehen auf der Bühne von Song zu Song. Mal gab es ruhige Stücke mit wenig Bewegung, mal rasante Action mit einem Frontmann, der die gesamte Größe der Bühne nutzte.

Alles zusammen also die richtigen Zutaten für ein Konzert das zu fotografieren so richtig Spaß macht. Gut war, dass es genug Platz direkt an der Bühne gab, der es auch erlaubte an den Monitorboxen vorbei zu zielen. Auf Seiten der Objektive die ich dabei hatte war bei diesem Konzert auch alles im Einsatz. Das 70-200mm war perfekt für Portraits während der ruhigen Stücke sowie die Musiker weiter hinten auf der Bühne. Für die eher actionreichen Passagen war das 18-50mm Objektiv die richtige Wahl. Vor allem im Weitwinkel ließ sich die Bewegung auf der Bühne einfangen und gleichzeitig die Tiefe der Bühne abbilden.


Aug 12 2010

Watcha Clan auf dem Horizonte Festival 2010

Tag: Allgemein,KonzertfotosWolfgang Heisel @ 16:00 68 views

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Watcha Clan spielten auf dem Horizonte Festival einen vergleichsweise einfach zu fotografierenden Set. Es war noch genügend Tageslicht vorhanden um problemlos sehr kurze Belichtungszeiten wählen zu können. Gleichzeitig kam aber auch schon die Bühnenbeleuchtung zur Geltung. Also wenig Probleme mit der Belichtung und trotzdem ein gewisses Maß an Farbstimmung.

Kein Wunder also, dass ich nicht der einzige war der bei diesem Auftritt die Kamera zückte. Wie ich schon erwähnte herrschten es auf dem Horizonte Festival sehr sehr lockere Bedingungen für die Fotografen . Man muss eigentlich schon sagen, es gab gar keine Bedingungen. Von der Security kam die Aussage, dass jeder der mit “einer dicken Kamera” ankommt in den Graben darf und zeitliche Limits wie z.B. nur die ersten drei Lieder gab es auch nicht.

Vor allem die zeitlich uneingeschränkte Möglichkeit die Konzerte zu fotografieren war sehr positiv. Das heißt ja noch nicht, dass man auch permanent den Finger am Auslöser haben muss, wie ich im letzten Artikel schon dargelegt habe. Aber nur so entstand z.B. die Möglichkeit das Finale von Fanfare Ciocarlia im Publikum zu fotografieren und das festzuhalten was das Konzert einmalig machte. Etwas anders sieht es damit aus, dass jeder fotografieren durfte. Es mag im ersten Moment seltsam anmuten, dass ich mich daran störe, zumal namhafte Kollegen sich immer wieder über strenge Auflagen für eine Akkreditierung beschweren. Ich bin da allerdings anderer Meinung. Es muss bei Konzerten eine Auswahl stattfinden wer fotografieren darf und wer nicht. Ein generelles Zutrittsrecht für die Presse würde dazu führen, dass der Markt mit billigen und vielleicht auch schlechten Bildern überflutet wird. Damit wäre niemandem geholfen. Weder den Fans, die sich durch Unmengen schlechter Bilder klicken müssen, noch den Bands, noch den Fotografen.

Das Thema ist sicherlich komplexer als ich es hier darstellen kann. Zumal es ja eigentlich auch um die Fotos von Watcha Clan gehen sollte.  Aber das Thema ist auch wichtig. Und die lockere Handhabung auf dem Horizonte Festival hatte für mich als Profi nicht nur positive Seiten.


Aug 10 2010

Horizonte Festival 2010 – der zweite Tag

Tag: Allgemein,Ankündigung,KonzertfotosWolfgang Heisel @ 15:55 101 views

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Der zweite Tag des Horizonte Festivals hatte für mich vor allem den Vorteil, dass ich alles schon kannte. Das Festivalgelände, den Weg dorthin und die Gepflogenheiten des Veranstalters und der Security. Das ist natürlich noch ein schöner Aspekt an einer mehrtägigen Veranstaltung. Den Morgen mit Mittag davor hatte ich zu großen Teilen damit verbracht die Fotos des ersten Tages zu sortieren und zu bearbeiten, was die Vorfreude auf ein Konzert an einem sonnigen Abend natürlich eher noch steigerte.
Den ersten Auftritt des Abends bestritt Forro in the Dark, zwar bei strahlendem Sonnenschein, aber dennoch stimmungsvoll. Meine persönliche Vorgabe für den zweiten Tag war es pro Band nur ca. 50 Fotos zu machen. Sinn und Zweck dessen sollte sein den Aufwand der Nachbearbeitung möglichst in Grenzen zu halten. Zugegebenermaßen nicht meine Idee, aber gut. Leider ist es nämlich in den meisten Fällen so, dass man deutlich länger an der Nachbearbeitung der Fotos sitzt, als das eigentliche Shooting gedauert hat. Dabei gehört die Nachbearbeitung nicht zu den Teilen der Arbeit die mir die größten Spaß machen. Während des Auftritts von Forro in the Dark jedenfalls gelang es mir noch problemlos mich an meine Vorgabe zu halten. Schon schwieriger wurde es beim anschließenden Auftritt von Watcha Clan, vor allem deshalb weil ich diese Band mag und ich eine möglichst gute Bilderserie von ihr einfangen wollte. Insgesamt war es vor allem eine Frage der Selbstdisziplin nicht mehr Fotos zu machen als nötig. So versuchte ich z.B. immer dann auf weitere Fotos zu verzichten, wenn ich mir sicher war die wichtigsten Motive einer Band schon eingefangen zu haben. Immer im Hinterkopf hatte ich dabei auch wie viele Bilder tatsächlich veröffentlich werden können. Es ist also ein Abwägen zwischen der Frage ob man unbedingt alles oder zumindest möglichst viel per Foto dokumentieren will, oder ob es primär darum geht den Auftrag der Redaktion in sehr guter Qualität zu erfüllen. Zwar bin ich absolut kein Freund davon Aufträge schlicht abzuarbeiten, aber gerade bei Festivals muss die Vernunft siegen um am Ende nicht in einer Flut von Fotos zu ersticken.
Gegen Ende des Abends gab es noch zwei sehr schöne Auftritte bei Dunkelheit die hier erwähnt werden sollen. Zum einen El Puchero del Hortelano denen ich in den kommenden Tagen noch ein Special widmen werde und zum anderen Oquestrada aus Portugal. Letztere waren vor allem durch eine ausdrucksstarke Inszenierung des Auftrittes interessant. Teilweise fühlte man sich eher wie bei einem Theaterstück. Auf jeden Fall ein interessanter Auftritt.


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