“Zwangsverträge für Konzertfotografen” in ZAPP das Medienmagazin

Nach 1Live und 3Sat hat sich in dieser Woche auch der NDR mit der Sendung ZAPP dem Thema “Zwangsverträge für Konzertfotografen” angenommen. Ausschlaggebend war wiedermal Coldplay, die zum Abschluss ihres Deutschland-Gastspiels in Hannover auftraten.

Ich finde den Beitrag sehr gelungen. Nicht nur, weil er, verglichen mit anderen Beiträgen dieser Art, sehr lang ist, sondern auch, weil er das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Im Vergleich dazu wirkten manche der Beiträge die bisher gelaufen sind eher aus der Hüfte geschossen.

Positiv aufgefallen ist mir auch, dass sich die Redaktion von ZAPP zumindest bemüht hat auch die Seite der Konzertveranstalter zu Wort kommen zu lassen. Schade, dass dies – wie im Beitrag erwähnt – aus terminlichen Gründen nicht geklappt hat.

Das mit Abstand Beste am Beitrag des NDR ist aber, dass zusätzlich zum gesendeten Beitrag auch die Interviews in voller Länge online sind. Diese Videos sind leider nicht bei youtube zu finden, aber über die Website des NDR Abrufbar.

Hier lohnt es sich auf jeden Fall reinzuschauen, denn die befragten Experten haben weit mehr zu sagen als in den sechsminütigen Sendebeitrag passte. Insgesamt liefert der NDR hier gute 50min Interviewmaterial in dem sich so manch interessante Aussage versteckt. Auf ein paar Punkte möchte ich hier eingehen.

So hört man z.B. von Peter Wafzig, dass die Boykott-Aktionen zu denen immer wieder aufgerufen wird seiner Meinnung nach nicht sinnvoll seien. Hier gehen die Meinungen allerdings auseinander, wie der Blick ins Interview mit Isabel Schiffler zeigt.

Genau wie Wafzig betont auch Isabel Schiffler im Interview, dass die Veranstalter, bei denen wir Fotografen die Akkreditierungen beantragen, nicht hinter den Verträgen stecken. Die Veranstalter gäben diese in der Regel nur weiter und hätten selbst oft auch kein Interesse an der Reglementierung.

Ausgerechnet der Jurist in der Runde, Tim Hoesmann, formuliert leider unscharf und spricht von “den Veranstaltern” die versuchen das Urheberrecht an den Bildern zu bekommen. Mir zumindest wäre das neu. Aber selbst wenn dahinter nur eine ungenaue Ausdrucksweise steckt, so zeigt dieser Satz schön worin eines der Grundprobleme liegt auf die man als Konzertfotograf immer wieder stößt. Wer ist eigentlich der Boss? Wer macht die Regeln auf den Konzerten? Der Tourveranstalter, der lokale Veranstalter, das Management der Band oder die Band selbst? Es gibt einfach zu viele Akteuere, das bürokratische Gefüge in dem die Fotografen nur eine Randerscheinung sind ist zu komplex um den tatsächlichen “Schuldigen” einfach benennen zu können.

Und für alle die sich immer gefragt haben, ob die englischsprachigen Verträge in Deutschland überhaupt rechtsgültig sind hat Tim Hoesmann ab Minute 3 des Interviews eine spannende Antwort. In sofern sollten sich alle Konzertfotografen dieses Interview ansehen, denn immer wieder treffe ich auf Kollegen die der Meinung sind englische Verträge seien in Deutschland nichtig.

Dem widerspricht Tim Hoesmann im Interview. Seiner Einschätzung nach hätten die Klausel, dass die Verträge nach amerkanischem, oder je nach dem auch britischem Recht zu beurteilen sind durchaus auch vor deutschen Gerichten Chancen. Abschließend könne das nur ein Gericht entscheiden. Aber welcher Fotograf hat schon Interesse es auf einen international geführten Prozess angekommen zu lassen.

P.S.: Ich finde übrigens lobenswert, dass die Berichterstattung de NDR über das Coldplay-Konzert tatsächlich ohne Foto auskommt. Das ergibt wesentlich mehr Sinn als die Symbol- oder Agenturbilder in anderen Berichten. Wenn schon Boykott, dann bitte so.

Über den Autor

Wolfgang Heisel fotografiert seit mehr als fünf Jahren Bands, Konzerte und andere Live-Veranstaltungen. Seine Wahlheimat ist Köln, wo vor allem bei akustischer und rockiger Musik unterwegs ist.

0 Kommetare

Hinterlasse eine Antwort