2012 – Ein Jahr in Konzertfotos

Alle Jahre wieder! Ich mache Kreativpause. D.h. mal keine Konzerte fotografieren, dafür ein paar andere Projekte verfolgen und das Jahr Revue passieren lassen. Es war ein bewegtes Jahr, soviel kann ich vorweg nehmen. Viel hat sich getan und ich blicke nicht ohne ein bisschen Stolz zurück. Man verzeihe mir also Lobhudelei und erfreue sich an dem ein oder anderen, tieferen Einblick in das Seelenleben eines Konzertfotografen:

Januar

Das Jahr beginnt ruhig. Fast schon zu ruhig, denn im Januar bin ich tatsächlich auf keinem einzigen Konzert. Dafür beschäftige ich mich mit ein paar technischen Hintergründen und versuche endlich wieder regelmäßig anderes als Fotos zu publizieren. Ein Vorsatz mit dem ich übers Jahr gesehen leider scheiter. Aber es gibt ja eine neue Chance im neuen Jahr.

Februar

Endlich wieder Konzerte, endlich wieder im Graben. Ich bin kurz hintereinander bei Dropkick Murphys und den Guano Apes. Beide Konzerte finden in Düsseldorf statt, was mich dazu führt, dass ich hier in Köln mit den kurzen Wegen ganz schön verwöhnt bin. Es kommt selten vor, dass ich die Stadt verlasse und auch innhalb Köln bin ich meistens mit dem Rad unterwegs.

The Baseballs nehmen im E-Werk eine Live-DVD/CD auf, aber leider hat das Management kein Interesse an den Bildern. Schade. Ich hatte noch gutes Material als den vergangenen Jahr in der Schublade. Das Konzert ist ein Spektakel, bei dem so ziemlich alles ausgepackt wird was die Showkiste zu bieten hat. Leider darf ich nur von ganz hinten fotografieren.

März

Bei Lord of the Lost und direkt danach bei La Papa Verde entstehen zwei meiner Lieblingsfotos in diesem Jahr. Interessanter Weise sind beides „nur“ Vorbands gewesen. Ein gutes Argument also nichts links liegen zu lassen und auch Vorbands zu fotografieren die man vielleicht gar nicht kennt. Die Bands wegen derer ich eigentlich an diesen Tagen unterwegs war (Eisbrecher bzw. Che Sudaka) verblassen dagegen jedenfalls.

Ich überraschte mich dieses Jahr übrigens auch damit, dass ich vergleichsweise viele Bilder in schwarzweiß umgewandelt habe. Der Grund war dabei gar nicht die Qualität des Ausgangsmaterials sondern schlicht die Tatsache, dass mir die Bilder farblos besser gefallen. Weiß auch nicht warum.

April

Der April beginnt maximal beschissen. Ich fotografiere A Place to bury Strangers, oder besser: ich versuche es. Dabei sind die Bedingungen so schlecht, dass es im Grunde aussichtslos ist. Am meisten ärgert mich, dass ich es hätte wissen können, wenn ich meine Hausaufgaben gemacht hätte. Den Weg ins Gebäude 9 hätte ich mir sparen können.

Dank einem schönen Konzert von Marlon Roudette im Gloria bleibt der Monat aber nicht völlig glanzlos. Nach wie vor habe ich das Gefühl, dass das Jahr 2012 nicht so richtig in Fahrt kommen mag. Im Nachhinein wundert mich das selbst, aber ich kann mich noch genau an dieses Gefühl erinnern. In Wirklichkeit habe ich genau nach meinen selbstgesteckten Vorsätzen gehandelt und weniger fotografiert, dafür aber meinen Fokus stärker darauf gelegt meine Bilder erfolgreich zu vermarkten.

Mai

Der Mai bringt für mich mit Woodkid das absolute Konzerthighlight des Jahres. Fotografisch war es gar nicht so spannend, aber was an Sound in die Kulturkirche zauberte war einfach genial. Ich bin mir sicher, wir werden 2013 noch einiges von dem jungen Franzosen hören. Dann bin ich auf jeden Fall wieder live dabei.

Leider wurde auch dieses Jahr für mich nichts aus Rock am Ring. Das Festival bleibt auf der Wunschliste.

Shantel & The Bukovina Club Orchestar waren wieder eine Bank. Zum dritten Mal überhaupt und zum zweiten Mal im Gloria. Ich durfte das ganze Konzert fotografieren, konnte allerdings meinen lucky shot aus dem vergangenen Jahr nicht wiederholen. Deshalb hat es diesmal kein Foto mit Wasserspritzereien ins Best of des Jahres geschafft. Trotzdem sind dort schöne Bilder entstanden.
Übrigens, es bleibt mir ein Rätsel, aber aus irgendeinem Grund sind die Konzerte von Shantel in Düsseldorf besser als in Köln. An der Stadt kann es nicht liegen, oder?

Juni

Nach einigem hin und her ringe ich der c/o pop eine Akkreditierung für das gesamte Festival ab. Ich bin dan also mal eine ganze Woche nicht ansprechbar und jette von einer kölner Lovation zur nächsten. Vor meine Liste begeben sich: Tim Bendsko, Kakkmaddafakka, Me and my Drummer und Katzenjammer die damit auf der Liste meiner meistfotografierten Bands so schnell nicht einzuholen sein werden. Außerdem fotografiere ich ein verstörend schönes Konzert von Soap & Skin in der Philharmonie und einiges mehr.

Viel wichtiger ist allerdings, dass ich auf der c/o pop das erste Mail für koeln.de unterwegs bin. Der Beginn einer neuen und intensiven Zusammenarbeit.

Ein weiteres Konzert, dass es in meine persönliche Top 3 schafft sind Ende Juni Wolfmother im E-Werk. Geile Typen, geile Musik, geile Schnauzer!

Juli

Sommer war dieses Jahr nicht so richtig. trotzdem war Open Air Saison. Bei Bon Iver im Tanzbrunnen lauschte und fotografierte ich in langen Hosen und Pullover. Bei Christina Perri im Gloria ist es da schon wärmer und ehrlich gesagt bin ich bei Indoor-Konzerten immer um jedes Grad kühler dankbar. Ich komme im Sommer gar nicht dazu alle Fotos hier im Blog zu veröffentlichen. Als Entschädigung hier Frau Perri.

 

August

Am gefühlt einzigen Sommerwochenende des Jahres fahre ich zum Haldern Pop Festival. Es winkte ein Agenturauftrag, er sich dann aber doch zerschlagen hat. Ich will nicht jammern, es war ein tolles Wochenende und das Haldern Pop ist ein Festival zum Verlieben. Viele neue Bands von denen ich einige in meine Musiksammlung übernommen habe und ein tollen Abiente drumherum.

Mein Lieblingsbild entsteht bei Der König tanzt. Ein gutes Beispiel für eine Band, der ich muskalisch nichts abgewinnen kann, bei der aber trotzdem gute Bilder entstehen. Das eine hat mir dem anderen Gott sei Dank überhaupt nichts zu tun.

 

Ein fahler Beigeschmack bleibt beim Haldern Pop dennoch hängen. Wenn ich mir die Kosten für die Anreise und den Arbeitsaufwand während und nach dem Festival ansehe komme ich leider zu dem Fazit, dass es sich überhaupt nicht gelohnt hat.

Es mag etwas unromantisch klingen, aber mit dem gleichen Aufwand und Einsatz hätte ich sicher zehn Konzerte in Köln fotografieren können. Damit wäre auch ein deutlich höheres Auftragsvolumen zu generieren gewesen.
Überhaupt erwische ich mich in diesem Jahr mehrfach dabei, wie ich rational, betriebswirtschaftlich denke. Gehe ich zu Band A, die ich mag oder fotografiere ich lieber Band B deren Musik mir gar nicht zusagt, für die ich aber einen sicheren Auftrag habe?

Ich bekomme sogar das Angebot eine Schlagerparty mit Antonia aus Tirol und Co. zu fotografieren. Ich bin ehrlich. Ich habe nur abgesagt, weil ich an diesem Abend einen anderen Termin hatte.

September

Der September 2012 übertraf alles bisher dagewesene, in mehr als einer Hinsicht. Ich fotografiere Coldplay im Rheinenergie-Stadion! Nicht nur, dass es das mit Abstand größte Konzert ist das ich bis dato fotografiert habe (okay, mehr Zuschauer gabs auf dem ein oder anderen Festival schon), es ist auch das umstrittenste Konzert meiner Karriere. Coldplay legen einen Vertrag vor, den alle Fotografen unterschreiben müssen und der unsere Rechte an den Bildern massiv einschränkt.
Die Folge ist eine nicht enden wollende Diskussion in den Wochen nach dem Konzert. Werden Interviews gegeben und Fersehberichte ausgestrahlt. Was davon bis zu Jahresende bleibt: Die Erkenntnis, dass die Diskussion vielschichtig ist und man nicht so einfach einen Schuldigen ausmachen kann, dass sich nicht so leicht was dran ändern lässt, egal wieviel gute Worte man verliert und, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.

Ach so, natürlich hätte ich hier gerne Foto von Coldplay gezeigt. Aber ich darf nicht.

Oktober

It’s Rocktober und das heißt traditionsgemäß: Konzerte, Konzerte, Konzerte. Ich versuche meinen Plan „Qualität statt Quantität“ treu zu bleiben und fotografiere der Reihe nach: Madsen, Scissor Sisters, The Levellers, Max Herre, DJ Bobo und The Gaslight Anthem.

Alles in allem eine gute Mischung aus Bands die ich mag und interessanten Aufträgen. DJ Bobo tut sich unter anderem damit hervor, dass er vor dem Konzert eine Durchsage macht die das Fotografieren während des ganzen Konzerts erlaubt und sogar als „ausdrücklich gewünscht“ deklariert. Das ist doch mal ein Wort.

Dann noch ein Schock mitten in der Hochsaison. Während ich The Gaslight Anthem fotografiere blockiert plötzlich der Zoom meines 24-70mm Objektivs. Rien ne va plus.

November

Im November stehen auf meinem Terminzettel sage und schreibe neun Termine. Das ist mein persönlicher Monatsrekord und irgendwie steigt in mir das Gefühl auf, dass ich mir immer nur einrede nicht jedes mitzunehmen.

Medina und MIA. fotografiere ich mit eingeschränktem Equipment, da mein 24-70mm in der Reparatur ist. Aber ich versuche das Beste draus zu machen und nutze die Chance dazu kreativ mit meinen Festbrennweiten zu arbeiten.

Die Highlights des Monats sind die Konzerte von Amy Macdonald (wie schafft die Frau es auf solch hohen Schuhen zu laufen?), Garbage und Deichkind. Letztere liefern einen grandiosen Kindergeburtstag für große. Ein Heidenspaß und mehr als ein gutes Foto. Netter Weise darf auch hier die ganze Show über fotografiert werden.

Die Fotos zu all diesen Konzerten werde ich in den nächsten Wochen hier noch veröffentlichen.

Bei Peter Maffay und Tabaluga sind die Bedingungen hingegen lächerlich. Keine zwei Stunden vor dem Konzert wird bekannt gegeben, dass ein Song mehr fotografiert werden darf, weil der Graf von Unheilig auftritt. Zwischen diesen drei Minuten und dem eigentlichen Fotoslot stehen wir Fotografen streng bewacht am Rande der Halle und sehen zu wie und das Motiv der ganzen Show entgeht. Denn genau dann, wenn Peter Maffay und Tabaluga ganz nah (immernoch in gut 30m Entfernung) vor den Fotografen sitzen, darf natürlich nicht fotografiert werden.

Dezember

Nachdem ich im November kaum hinterher gekommen bin und auch heute noch einige der Bilder ihrer Aufarbeitung in meinem Blog harren, lasse ich das Jahr ruhig ausklinken. Ich fotografiere Silbermond und erbringe damit für mich persönlich den entgültigen Beweis, dass ich eine Band nicht mögen muss um gute Fotos zu machen. Genauer gesagt hasse ich Silbermond, aber das spielt für meine Arbeit wie gesagt keine Rolle.

Den Rest des Jahres verbringe ich damit neue Pläne für 2013 zu schmieden, ein paar Museprojekte zu pflegen und einfach mal nichts zu tun.

Für’s kommende Jahr könnte ich mir mal wieder vornehmen mehr zu bloggen. So wie jedes Jahr. Ich hab sogar schon eine Idee was der nächste Tipp werden kann, den ich hier raushaue…

In diesem Sinne: Auf eine spannendes neues Jahr.

 

 

 

 

Über den Autor

Wolfgang Heisel fotografiert seit mehr als fünf Jahren Bands, Konzerte und andere Live-Veranstaltungen. Seine Wahlheimat ist Köln, wo vor allem bei akustischer und rockiger Musik unterwegs ist.

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