Keine Fotos von Gogol Bordello

Jaja, die Bürokratie hat mal wieder zugeschlagen. Als Konzertfotograf ist es ein leidiges Thema, mit dem man sich leider immer wieder rumschlagen muss. Akkreditierungen werden nur erteilt wenn man bestimmte Bedingungen erfüllt, oft erfährt man erst ein oder zwei Tage vor dem Konzert ob man Fotos machen darf, oder man bekommt überhaupt keine Antwort auf eine Anfrage. Noch nicht einmal am Telefon. Hat man dann die Zusage zum begehrten Fotopass so bedeutet das leider auch noch nicht viel. Oft sind es die Bedingungen die vor Ort bestimmt werden, die den Fotografen das Leben schwer machen. Das 3-Songs-Limit z.B. oder Fotopositionen, die ohne ersichtlichen Grund so weit weg von der Bühne und den Musikern sind, dass selbst mit Teleobjektiv nicht mehr viel zu machen ist.

Die mit Abstand ärgerlichste Form der Bürokratie sind aber Verträge, die einem vom Management der Band vor dem Konzert vorgelegt werden und die die Arbeit der Fotografen regeln sollen. Regeln heißt hier natürlich einschränken! So auch bei Gogol Bordello.

Der Vertrag der mir an der Abendkasse vorgelegt wurde beinhaltete zahlreiche Punkte, die nicht alle erwähnenswert sind, weil sie z.B. Selbstverständlichkeiten regelten. Dazu gehört das Verbot von Blitzen. Das Limit von maximal drei Songs war darin enthalten, okay damit habe ich mich ja schon lange abgefunden. Immerhin galt auch bei Gogol Bordello nicht pauschal die ersten drei Songs, sondern die Songs 4, 5 und 6. Da hatte sich wohl jemand Gedanken gemacht, gut so! Woran ich dann aber doch Anstoß nahm waren zwei Punkte: Es wurde von mir verlangt, dass ich die Medien bzw. das Medium benenne für das ich Fotografiere und mir gleichzeitig verboten meine Fotos für irgendetwas anderes zu verwenden als für dieses eine Medium. Auf den ersten Blick klingt das vielleicht nicht schlimm, aber de facto bedeutet dies, dass ein solcher Abend für mich als Fotograf nicht mehr gewinnbringend sein kann. Die Honorare die heute gezahlt werden sind viel zu niedrig um mit einer einzige Veröffentlichung eines Fotos die Unkosten decken zu können. Eigentlich jeder Fotograf, der versucht nicht draufzubezahlen ist deshalb bemüht seine Fotos auf verschiedenen Wegen anzubieten.

Ganz nebenbei ist dieser Passus auch der Grund, warum es mir nicht erlaubt ist meine eigenen Fotos auf dieser, meiner eigenen Seite zu zeigen.

Als ob dies nicht genug wäre hat sich Gogol Bordello im übrigen auch noch zusichern lassen, dass sie meine Fotos völlig kostenlos nutzen dürfen. Und das nicht wie ich nur in bestimmten Medien, sondern “throughout the universe” und ohne zeitliche Beschränkung. Danke, klar schenke ich euch gerne meine Arbeit!

Naja, immerhin kann man sich in Deutschland Gott sei Dank ziemlich sicher sein, dass dieser Passus rechtswidrig ist. Schade nur, dass dies nichts an den anderen Beschränkungen ändert. Und außerdem müsste ich mir mein Recht teuer erstreiten, sollten Gogol Bordello tatsächlich auf die Idee kommen meine Fotos für sich zu verwenden.

Vielleicht hätte ich auch einfach an der Abendkasse umdrehen sollen, meine Kamera wieder im Auto (ja ich hatte sogar eines dabei) verstauen sollen und mir einfach nur das Konzert ansehen sollen. Aber ich hatte mich schon sehr darauf gefreut Gogol Bordello zu fotografieren, weil ich wusste was für eine Show sie machen und weil ich die Band einfach gut finde.

Das nächste Mal werde ich jedenfalls genau das tun. Bis dahin kann ich wenigstens darauf verweisen, dass meine Fotos auf www.regiomusik.de zu sehen sind. Den Link dorthin hat mir ja niemand verboten. Glaube ich zumindest, denn eine Kopie des Vertrages für meine Akten wurde mir verweigert.

Über den Autor

Wolfgang Heisel fotografiert seit mehr als fünf Jahren Bands, Konzerte und andere Live-Veranstaltungen. Seine Wahlheimat ist Köln, wo vor allem bei akustischer und rockiger Musik unterwegs ist.

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