Die c/o pop – Ein Festival, das so recht keines ist

Wer meine Aktivitäten auch auf Facebook und Google+ verfolgt wird es mitbekommen haben. Ich war in der vergangenen Woche auf dem c/o pop Festival unterwegs. Noch nie gehört? Nun, im vergangenen Jahr wurde das c/o pop Festival sogar mit einem brancheninternen Preis für das beste Indoor Festival ausgezeichnet. Auf dem Line-up standen in diesem Jahr Tim Bendzko, Katzejammer, Dillon, Joan as Police Woman, Kakkmaddafakka und viele, viele andere Bands.

Aber mal ehrlich: Preise hin, Line-up her, mir fällt es schwer die c/o pop als Festival ernstzunehmen.

Natürlich kenne ich bei weitem nicht alle Details und kann auch nur meine Sicht als Pressevertreter auf dem Festival schildern. Aber immerhin hatte ich an einigen Stellen direkt mit der Organisation des Festivals zu tun und muss sagen, dass ich erstaunt bin.

Was ist die c/o pop überhaupt?

Zunächst: die c/o pop begründet sich im Abzug der PopKomm aus Köln nach Berlin. Die dadurch entstandene Lücke wollte man füllen und entwickelte zu diesem Zwecke die c/o pop und den damit verknüpften Kongress C’n’B. Also Branchentreff mit dazu gehörendem Festival.

Auf der Faktenseite wird in zahlreichen Artikeln und Pressemeldungen heruntergebetet, dass in einer Woche 140 Künstler in 30 Locations auftreten. Mehr als 30.000 Zuschauer erwarte man. So weit so richtig.

Versucht man sich allerdings für das Festival als Journalist zu akkreditieren, so wie ich es getan habe merkt man sehr schnell, dass die Strukturen hinter dem Festival anders aussehen als man vielleicht erwartet.

So erfährt man spätestens mit der Akkreditierungsbestätigung, dass die c/o pop bei ihren beliebtesten und publikumsträchtigsten Veranstaltungen gar nicht Herr im Haus ist. So wurden in diesem Jahr die Konzerte von Tim Bendzko und Katzenjammer komplett von den jeweiligen lokalen Veranstaltern organisiert. Da spricht nichts gegen, andere Festivals kooperieren selbstverständlich auch mit Tourneeveranstaltern. Aber nirgends ist so wenig von einem Festival zu spüren wie auf diesen Konzerten.

Ehrlich: ich frage mich, ob einer der Fans auf den Konzerten von Katzenjammer oder Tim Bendzko gemerkt hat, dass die Veranstaltung „im Rahmen der c/o pop“ stattfand. Und wir reden hier von mehr als 15.000 der 30.000 c/o pop Besucher, von denen der größte Teil nicht mit einem Festivalticket auf das Konzert gekommen ist.

Alles war so als würden die Konzerte auch ohne die c/o pop stattfinden, auch optisch. Beim Konzert von Katzenjammer am Freitagabend war z.B. der WDR deutlich präsenter als die c/o pop. Der Westdeutsche Rundfunk hatte es sich nämlich nicht nehmen lassen überall im Tanzbrunnen seine Banner aufzuhängen. Die beiden c/o pop-Banner links und rechts der Bühne gingen dagegen tatsächlich unter.

Für mich als Fotograf bedeutete das Ganze übrigens, dass ich mich trotz hart erkämpfter Akkreditierung für das Festival zusätzlich noch für die Konzerte von Tim Bendzko und Katzenjammer, sowie für die Veranstaltungen in der Philharmonie und den von der Telekom veranstalteten „Street Gig“ mit Joan as Police Woman akkreditieren musste. Macht summa summarum fünf Akkreditierungen bei fünf Stellen.

Und von den Besuchern musste sich auch manch einer an mehrere Stellen wenden, den für die Konzerte in der Philharmonie und den Street Gig der Telekom musste man sich gesondert anmelden oder gar ein Zusatzticket erwerben, selbst wenn man ein Festivalticket hatte.

Was für mich als Fazit bleibt: die c/o pop ist mehr Veranstaltungsreihe als Festival. Um das zu ändern müsste man deutlich selbtbewusster auftreten. Der Indie-Charme der vielen kleinen Konzerte ist schön, aber will man wirklich so bedeutsam sein wie man tut sollte man auch bei den Headlinern zulegen und zumindest den Anschein vermitteln als hätte man was Eigenes zu bieten.

P.S.: Fotos habe ich natürlich auch gemacht. Demnächst zeige ich einiges davon hier. Einen Überblick gibt es auf koeln.de

 

Über den Autor

Wolfgang Heisel fotografiert seit mehr als fünf Jahren Bands, Konzerte und andere Live-Veranstaltungen. Seine Wahlheimat ist Köln, wo vor allem bei akustischer und rockiger Musik unterwegs ist.

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