Festivalfotografie – mehr als X Konzerte an einem Tag

Die Festival-Saison 2011 läuft auf Hochtouren. Die ersten großen Festivals sind schon vorbei und im Kasten, einige kommen noch. Ein guter Zeitpunkt also sich ein wenig Gedanken darüber zu machen, was ein Festival für Fotografen besonders macht.

Klar, zunächst wäre da der Fakt, dass man selten so viele Band in so kurzer Zeit und auf so engem Raum fotografieren kann wie auf einem Festival. Außerdem finden Festivals fast ausschließlich Open Air statt und ein paar davon gehören zu den unbestreitbar größten Konzertveranstaltungen die die Republik so zu bieten hat.

Mehr als genug Gründe also, warum das Fotografieren auf einem Festival viel mehr ist als X Konzerte an einem Tag abzulichten.

Ein paar wichtige Dinge zur Festivalfotografie möchte ich hier festhalten.

Die Rahmenbedingungen

Bei den meisten Festivals läuft das Akkreditierungsverfahren deutlich bürokratischer ab als bei Clubkonzerten. Bei beiden gilt grundsätzlich: Je größer, desto bürokratischer. Bei Festivals muss man aber im Hinterkopf behalten, dass sich der bürokratische Aufwand mit der Anzahl der Headliner potenziert und der Veranstalter Anfragen aus der ganzen Republik bekommt. Nicht bloß aus der Region.

Ohne schriftliche Bestätigung eines redaktionellen Auftrags geht meistens nichts, selbst wenn man beim Veranstalter schon bekannt ist. Außerdem gibt es feste Akkreditierungszeiträume, die von Festival zu Festival unterschiedlich sein können. Ist die Akkreditierungsphase vorbei heißt das aber noch nicht, dass man prompt eine Zu- oder Absage bekommt. Im Falle des Rheinkultur-Festivals bekam ich die offizielle Bestätigung am Vorabend um 22:20 Uhr! Also selbst aktiv werden und in der Woche vor dem Festival nachhaken.

In der Regel gilt bei Festivals, „die ersten drei Songs ohne Blitz aus dem Graben, sonstiges Fotografieren auf dem Gelände frei.“ Es kann aber durchaus sein, dass einzelne Bands Sonderbedingungen diktieren und bei großen Festivals ist es auch üblich, dass Gelände und Graben völlig getrennt behandelt werden. Es kann also passieren, dass man auf dem Festivalgelände fotografieren darf, aber keine Band die dort auftritt.

Oh yeah – it’s open air! – Equipment für Festivals

Bis auf wenige Ausnahmen finden Fetivals open air statt. Außerdem ist man mindestens einen ganzen Tag in Aktion, oft auch das ganze Wochenende. Neben dem üblichen Kram sollte man folglich auf ein paar spezielle Dinge in der Fototasche achten.

Bring die lange Linse mit – Natürlich ist es stark von der Größe des Festivals abhängig welche Brennweiten man am meisten einsetzen wird. Meine Erfahrung zeigt aber, dass man bei Festivals eher die langen Brennweiten benötigt. Ein Tele, wie z.B. ein 70-200mm 2,8 sollte auf jeden Fall dabei sein. Konverter und Einbeinstativ können auch hilfreich sein. Beim Stativ sollte man sich aber überlegen wohin damit, falls die Security einen damit gar nicht erst aufs Gelände lässt.

Sei auf Regen eingestellt – Auch im August kann es regnen. Wasserfeste Kleidung sollte deshalb in jedem Fall griffbereit sein. Aber vielleicht noch wichtiger ist es, die Kamera beim Einsatz im Graben zu schützen. Schließlich will man nicht auf die wertvollen Fotos vom Headliner verzichten, nur weil grade ein Schauer runter geht.
Natürlich gibt es im Fachhandel professionelle Regenhüllen für alle Arten Kameras. Viele Fotografen setzen aber auchauf eine ganz einfache und durchaus effektive Lösung. Die Kamera wird in eine einfache Plastiktüte verpackt, vorne ums Objektiv einen Gummi drum, Loch rein und fertig. Eine super Sache, wenn man das ganze schon vorbereitet so lange es noch trocken ist.
Nebenbei: Feste Schuhe sind absolute Pflicht. Festivals können verdammt matschig sein.

Festivalmotive – Das Drumherum und den Flair einfangen

Was fotografiert man so auf einem Festival? Natürlich, die Bands die dort spielen. Aber eben nicht nur. Zunächst wäre mein Tipp sich ein Limit zu setzen, wieviele Fotos man pro Band macht. Zumindest wenn man nicht Tage mit der Nachbearbeitung verbringen will ist das hilfreich. Ich setze mir z.B. meistens ein Limit von 50 Bildern pro Band. Das ist hart, aber es hilft.
In der Regel wird sowieso nur eine relativ geringe Zahl an Bildern veröffentlicht. Je nach Medium zwischen 20 und 50 Stück. Da kann man sich leicht ausrechnen wie viele gute Bilder man pro Band braucht.

Fast noch wichtiger als die Band selbst ist es auch das Drumherum und den Flair des Festivals einzufangen. An erster Stelle gehören dazu sicher Fotos von Fans, sei es feiernd in der Menge oder gezielt vor der Kamera posierend. Je extravaganter die Fans drauf sind, desto mehr Spaß macht das auch. Ich sage nur Metal/ Gothik-Festivals.

Daneben sollte man einplanen alles zu Fotografieren was die Stimmung des Festivals widerspiegelt. Ein paar Fotos vom Gelände sollten dabei sein, ebenso ein Abstecher auf dem Campingplatz und die Merch- und Fressstände nicht vergessen. Für die Fans macht genau dieses „Leben auf dem Festival“ den Reiz aus. Hier finden sich unzählige gute Motive.
Auf meiner imaginären Abhakliste für Festivals steht auch immer das Stichwort „Wetter“. Egal ob es regnet oder die Sonne scheint, die aktuelle Wetterlage prägt ein Festival, also versuche ich sie mit meinen Fotos zu zeigen.

Bei Festivals kann man fast genauso viel Zeit mit Fotografieren auf dem Gelände verbringen wie im Graben. Vor allem, weil auf dem Gelände deutlich weniger gute Bilder pro Minute entstehen als vor der Bühne. Zu einer guten Festivaldokumentation gehört es ein guter Dokumentarfotograf zu sein. Mit Blick für Details und den Drang immer mittendrin dabei zu sein.

Über den Autor

Wolfgang Heisel fotografiert seit mehr als fünf Jahren Bands, Konzerte und andere Live-Veranstaltungen. Seine Wahlheimat ist Köln, wo vor allem bei akustischer und rockiger Musik unterwegs ist.

2 Kommentare

  1. elaby says: - antworten

    Sieht gut aus….sogar poeetisch..I Like it.

  2. Hallo,
    sehr schöner Beitrag. Ich habe mir erlaubt in meinem Blog darauf hinzuweisen.

    Grüssle
    Maddin

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