Ich will wieder in Kneipen fotografieren

Vor geraumer Zeit fragte ich einmal meinen geschätzten Kollegen Peter, welches seiner Meinung nach die coolste Location in Köln sei. Er antwortete: Das E-Werk. Und irgendwie hatte er damit recht. Das E-Werk ist eine geile Location. Die Größe stimmt (ca. 2000 Leute oder so) und was noch viel wichtiger ist, die Proportionen des Raums sind angenehm. Kein Schlauch in dem man gefühlt zehn Kilometer von der Bühne entfernt steht und wenn man seine Ruhe haben will gibt es ja auch noch die Galerie. Ach so, aus Sicht des Fotografen…
Gutes Licht, großer Graben, angenehme Bühnenhöhe und meistens auch eine fette Show, weil es ja doch eher die großen Namen sind, die im E-Werk auftreten. Was will man mehr?

Ehrlich gesagt: Ich war in den letzten sechs Wochen sieben Mal im E-Werk und ich hab grade gar keinen Bock mehr auf Konzerte dort. Dabei geht’s gar nicht speziell um’s E-Werk genauso wenig Lust habe ich auf die anderen Hochglanzlocations. Am liebsten würde ich grade eine kleine unbekannte Band in einer verrauchten Kneipe direkt links vom Tresen fotografieren.

Warum? Ganz einfach. Große Locations sind toll, mit den internationalen Acts die dort spielen, dem tollen Licht und der Show. Aber es ist auch aalglatt. Drei Songs! Kein Blitz! Möglichst kurz vorher auftauchen, ein mehr oder weniger stummes Abnicken mit dem Security-Mann. Rein in den Graben und ca. 200 Bilder später wieder raus aus dem Graben. Als Krönung darf man danach wohl möglich noch unter Begleitung der Security den Saal verlassen und nur ohne Kamera wieder rein. Man könnte sonst ja den Frevel begehen und den schon angeschwitzten Sänger fotografieren.

Am Ende des Tages hat man kein Wort mit der Band gewechselt, keinen Kontakt zu den Fans aufgebaut und nur sehr am Rande mitbekommen wie es überhaupt war, auf diesem Konzert. Und genau das finde ich oft schade. Oberdrein könnte ich jetzt auch noch behaupten, dass es vergleichsweise einfach ist unter solchen Bedingungen gute Fotos zu machen. Oder lasst es mich anderes herum formulieren. In einer kleinen Kneipe bei total beschissenem schlechten Licht gute Fotos zu machen ist die deutlich größere Herausforderung.

Manchmal habe ich das Gefühl unter solch “guten” Bedingungen geht ein Stück der Leidenschaft verloren, die man eigentlich immer dabei haben sollte, wenn man die Kamera zückt. Mit der Distanz zur Band und all dem Drumherum schleicht sich schnell auch Distanz zum eigenen Foto ein. Und daran kann ein noch so perfektes Foto nichts ändern.

Nicht umsonst sind ein paar der Fotos mit denen ich persönlich am meisten verbinde unter gar nicht so idealen Bedingungen entstanden.

Manchmal gut es vielleicht gut sich selbst zu erden. Zumindest ab und an…

Wo ist die nächste Kneipenband?

 

P.S.: In der Zwischenzeit habe gesehen, dass Jeriko in seinem Blog in eine ganz ähnliche Richtung argumentiert. Dein Ausgangspunkt ist ein anderer, das Ergebnis das Gleiche: Was nützt das beste Foto, wenn ich als Fotograf nichts damit verbinde.

Über den Autor

Wolfgang Heisel fotografiert seit mehr als fünf Jahren Bands, Konzerte und andere Live-Veranstaltungen. Seine Wahlheimat ist Köln, wo vor allem bei akustischer und rockiger Musik unterwegs ist.

1 Kommentar

  1. GG sagt: - antworten

    Wer lang genug bislang unbekanntere Bands fotografiert, landet irgendwann einen Treffer wie die Beatles in Hamburg …

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