Kann Konzertfotografie Kunst sein?

Es gibt eine Frage, die ich mir immer wieder stelle: Kann Konzertfotografie Kunst sein?
Oder vielleicht noch treffender: Ist das was ich da mache Kunst?

Klar, die Frage ist eigentlich obsolet. Wen interessiert es, ob das Kunst ist? Wer will das überhaupt entscheiden? Und überhaupt, ist die Diskussion “Was ist Kunst?” nicht eine generell sinnlose Diskussion? Hauptsache mir gefällt was ich da mache.

Und dennoch stelle ich mir genau diese Frage ab und an. Z.B. wenn ich mir die Ergebnisse diverser Fotowettbewerbe anschaue. Gerade diese Woche bin ich auf die Ergebnisse des “Dreikampf der Fotografie” auf www.fotografr.de gestoßen. Dort war eine der drei Aufgaben “Mein fotografisches Highlight im Jahr 2012″. Sprich, das beste Foto des fast vergangenen Jahres sollte präsentiert werden. Oder nein: eigentlich ist in der Beschreibung zur Aufgabe die Rede vom “Foto, das Euch am meisten bedeutet”.

Juror Sven Wickenkampf begründet seine Auswahl u.a. so:

Eines aber haben die von mir gewählten Bilder gemeinsam und zudem den anderen Beiträgen meiner Meinung nach voraus: Sie sind originell, interessant und auch in gewisser Weise witzig. Dadurch schaut man sich die Bilder länger an und hat durchaus Vergnügen beim Betrachten.

Klar, all das kann Konzertfotografie auch. Wäre ja auch wirklich depremierend wenn nicht.
Was Konzertfotografie aber nie ist: Gestaltend, komponierend. Und genau das sind die Favoriten der Jury in sehr vielen Fotowettbewerben.

Konzertfotografie dokumentiert und hält fest, aber dabei wird nichts geschaffen was nicht sowieso da wäre. Und selbst der Einfluss, den man auf Perspektive, Bildkomposition und Belichtung nehmen kann ist begrenzt. Ehrlich: Manchmal vermisse ich dieses schaffende Element der Fotografie.

Was wir Konzertfotografen als Entschädigung bekommen ist aber auch nicht schlecht. Es ist dieses Moment des Zufalls, dass in jedem guten Foto steckt. Das Quäntchen Glück das dazu gehört, eben weil man keinen Einfluss auf das Motiv hat. Und genau das macht für mich auch das Suchtpotential aus. Kein Foto ist gut genug oder gar perfekt. Es geht immer noch ein bisschen mehr, es gibt immer noch etwas dem man hinterher jagen kann. Egal ob das nun Kunst ist was ich mache oder nicht.

Über den Autor

Wolfgang Heisel fotografiert seit mehr als fünf Jahren Bands, Konzerte und andere Live-Veranstaltungen. Seine Wahlheimat ist Köln, wo vor allem bei akustischer und rockiger Musik unterwegs ist.

1 Kommentar

  1. Dominik sagt: - antworten

    Was wir Grabenspringer nicht vergessen sollten – das wichtigste Element in der Fotografie ist das Licht. Und das wird bei der Konzertfotografie nunmal nicht von uns bestimmt, sondern von der (meist mehr oder weniger) kreativen Fachkraft am Lichtmischpult. Der nächste Punkt – die Komposition – ist in großen Teilen von der Band abhängig. Das beste Licht kann den hässlichsten Bühnenaufbau auch nicht mehr retten.
    Aber – wenn die Bedingungen stimmen – denke ich schon, dass man mit technischen und gestalterischen Mitteln durchaus kreativ und damit auch künstlerisch auf das Foto einwirken kann. Und damit meine ich nicht die realitäts-verfremdene Photoshop-Bearbeitung zu Hause :-D

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