Olympus Pen e-Pl3 – Meine neue Kleine

Früher dachte ich immer: Wozu eine Zweitkamera? Ich habe doch eine gute Spiegelreflex, die reicht mir und die nehme ich überall mit hin. Welchen Sinn sollte es ergeben eine kleinere, womöglich schlechtere Kamera zu haben.

Und dann kam das dicke Ding in Gestalt der Nikon D700. Zusammen mit dem 24-70 2,8 sind das fast drei Kilo.
Zunächst hätte ich’s gar nicht gedacht, aber nach und nach erwischte ich mich immer wieder dabei, dass ich die Kamera zu Hause ließ. Natürlich nicht bei meinen Aufträgen, aber beim Sonntagsspaziergang, am Wochende, zu Besuch bei Freunden usw.

Na und da war er dann ganz plötzlich: Der Wunsch nach der Immer-dabei-Kamera. Teilweise hat mein iPhone diese Funktion übernommen und sogar im Urlaub auf der Skipiste gute Dienste geleistet. Aber so richtig zufriedestellend war das nicht.

Es musste als eine Kamera hier, die mehr kann als mein iPhone, aber weniger kostet als meine Spiegelreflex.

Klingt zunächst einfach, vor allem wenn man bedenkt, dass der Markt zur Zeit mit kleinen Systemkameras überschwemmt wird. Nur fallen die meisten Spiegellosen spätestens beim Blick auf das Preisschild durch mein Raster. Sorry, aber tausend Euro und mehr für eine “Freizeitknipse” ist dann doch ein bisschen viel. Da hilft es auch wenig, dass ich mich im Frühsommer schon so gut wie in die Olympus OM-D verliebte.

Also verzichtete ich, bis mir eines Tages die Olympus Pen e-Pl3 über den Weg lief. Bähm! Da war sie. Genau die Kamera, die ich gesucht habe. Kleines Gehäuse, relativ großer Sensor (Okay, Micro-Four-Thirds ist kleiner als APS-C, aber immernoch größer als die Sensoren der meisten Kompaktknipsen) und fast alles an Spielereien die mir die deutlich teurere OM-D bieten würde.

Natürlich hat das Teil auch ein paar ganz deutliche Nachteile: Kein eingebauter Sucher und die selbst im Vergleich zur etwas fummelige n OM-D umständliche Bedienung. Auch was Design und Style angeht mag es coolere Kameras auf dem Markt geben. Ich stehe zum Beispiel total auf die neuen Fujis. Aber für einen Preis von ca. 260 Eur für die Kamera inkl. Kit-Objektiv nehme ich gerne in Kauf nicht der coolste auf dem Schulhof zu sein.

Gerade im Segment der System- und Kompaktkameras wird man sowieso nicht die eine Kamera finden die alles kann was man haben will. Dafür ist die Auswahl mittlerweile zu groß und die Stärken und Schwächen der unterschiedlichen Systeme zu unterschiedlich. Wie auch immer man sich entscheidet, es wird zu großen Teilen eine Bauchentscheidung sein.

Zur Zeit sind die Pl3 und ich noch in der Findungsphase. Noch spiele ich viel zu viel in den schier endlosen Menüs herum, aber ich merke schon jetzt, es könnte der Beginn einer wunderbaren Freundschaft werden. Schon jetzt liebe ich es mit nicht mehr als der kleinen Kamera in der Jackentasche loszuziehen.

Ganz nebenbei mache ich erste Erfahrungen mit den Vorteilen und den Grenzen eines verdammt guten Bildstabilisators. Da geht einiges, solange sich das Objekt der Begierde aka. Motiv nicht bewegt. Und die Idee doch mal Videos aufzunehmen rückt wieder in greifbare Nähe. Meine ersten Versuche in diese Richtung hatte ich aufgrund hoffnungslos verwackelter Bilder als gescheitert erklärt.

Mal sehen. Vielleicht tut sich diesbezüglich auch was hier im Blog.

Was ich in jedem Fall versprechen kann ist, dass ich die kleine Pl3 in der kommenden Woche einem ausführlichen Praxistest in Sachen Konzertfotografie unterziehen werde. Schon beim Workshop mit der OM-D stellte ich mir die Frage, was die kleinen mit Technik vollgestopften Knipsen im Bühnengraben leisten können. Nächste Woche bin ich bei Gabby Young & Other Animals im Club Bahnhof Ehrenfeld. Dort werde ich es ausprobieren. Das ist alles andere als ein großes Konzert mit sicherlich höchstens durchschnittlichem Licht und bislang habe ich nur die Kit-Linse mit Blende 3,5-4,2 an der Olympus. Es wird also ein Härtetest unter realistischen Bedinungen. Ich bin gespannt, wie sie sich schlagen wird, die Kleine.

Über den Autor

Wolfgang Heisel fotografiert seit mehr als fünf Jahren Bands, Konzerte und andere Live-Veranstaltungen. Seine Wahlheimat ist Köln, wo vor allem bei akustischer und rockiger Musik unterwegs ist.

2 Kommentare

  1. Jens sagt: - antworten

    Hallo Wolfgang,
    ich hatte ebenfalls den Wunsch nach einer “immer-dabei-Kamera” und dann lief mir die Fuji X10 über den Weg. Da ich auch den Retro-Look sehr schätze und die technischen Angaben mehr als gut waren (Objektiv 28-112mm, bei f2,0-2,8 etc.), habe ich sie mir zum Geburtstag geschenkt.

    Was soll ich sagen… Superding. UND! Ich habe sie sogar schon unter Konzertbedingungen getestet. Zwar erst nach den üblichen drei Songs (die habe ich mit der DSLR gemacht) und meine Erwartungen waren nicht allzu hoch, aber als ich mir die Ergebnisse zuhause angesehen habe, viel mir die Kinnlade runter….

    Anbei Beispiele:

    http://www.flickr.com/photos/hausi77/8280924464/in/photostream/lightbox/

    http://www.flickr.com/photos/hausi77/8280924246/in/photostream/lightbox/

    http://www.flickr.com/photos/hausi77/8279866211/in/photostream/lightbox/

    http://www.flickr.com/photos/hausi77/8280924722/in/photostream/lightbox/

    Viele Grüße
    Jens

    • WoHei sagt: - antworten

      Hallo Jens,
      ja, die Fujis sind schon sehr nett.
      Ich persönlich hatte am Ende hatte ich das Gefühl bei Olympus mehr Kamera fürs Geld zu bekommen (Kamera mit Wechselobjektiven für unter 300€).
      Und was ich selbst nie geglaubt hätte, die Olympus hat mich mit der Möglichkeit die Bildeinstellungen schon in der Kamera zu beeinflussen überzeugt. Da geht richtig viel, bis hin zur Anpassung der Gradadionskurve.
      Ein paar Beispiele was sie out-of-cam kann siehst du in meinen Artikel zur OM-D den ich oben verlinkt hab.
      Grüße, Wolfgang

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