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Bildauswahl für Fotowettbewerbe – NME Music Photography Award

Der New Music Express (NME) aus England hat einen Wettbewerb zur Musik-Fotografie ausgeschrieben und ich will mein Glück wagen und mich messen lassen. Das bringt eine der Gretchenfragen in der Fotografie unmittelbar zurück in meine Arbeit. Die Bildauswahl. Sie kann entscheidend für den Erfolg sein, gleichzeitig bedeutet sie für mich aber auch sich kritisch mit dem eigenen Werk auseinanderzusetzen, was durchaus schmerzhaft sein kann.

Aber von vorn:

Vom NME Music Photography Award habe ich vor ein paar Wochen eher durch Zufall erfahren und nach eingängiger Prüfung der Wettbewerbsbedingungen stand fest, dass ich mitmachen werde. In aller Kürze zu dieser Entscheidung:

Entscheidend war, dass es sich hier nicht um irgendeinen Hinterhofwettbewerb handelt und auch nicht den der nächstbesten Drogeriekette, sondern um das renomierteste Musikmagazin Großbritanniens, dass den Wettbewerb ausrichtet. Der Wettbewerb findet also in einem explizit musikjournalisten Rahmen statt. Außerdem waren die Wettbewerbsbedingungen erfüllbar und fair da es neben der Publikumswertung auch eine Jury gibt, die die eingereichten Fotos bewertet. Von reinen online-Publikumsbewertungen  halte ich sehr wenig bis gar nichts. Zu guter Letzt ist der wohl wichtigste Grund warum ich mich für eine Teilnahme entschieden habe aber die Tastache, dass es faire Copyright-Bedingungen gibt. Die eingereichten Fotos dürfen vom NME nur im Rahmen des Wettbewerbs verwendet werden und das auch nur zeitlich befristet. Das ist bei so manchem Fotowettbewerb anders. Leider sind die Preise die der NME auslobt nicht berauschend, aber es geht ja auch mehr um Ruhm und Ehre als um kapitalistische Interessen.

Aber nun zur eigentlichen Aufgabe. Wie finde ich das beste Bild für den Wettbewerb in meinem Portfolio?

Zunächst die Rahmenbedingungen, die der Wettbewerb vorgibt. Es gibt zwei von einander getrennte Wertungen für Amateure und für Profis. Dass ich bei den Profis mitmachen würde – streng nach den Regeln des Wettbewerbs könnte ich auch als Amateur antreten – ergab sich aus meinem persönlichen Anspruch und der Tatsache das hier zumindest ein attraktiver Hauptpreis winkt. Leider gibt es in der Profiwertung keine Kategorien, die den Inhalt der eingereichten Bilder näher bestimmen. Das macht die Bildauswahl eher schwerer, weil man keine Anhaltspunkte hat, gibt aber auch mehr Freiheiten.

Auf den ersten Blick klingt also alles ganz einfach. Die fünf besten Fotos aus dem Jahr 2010 sind gefragt, schnell das eigene Portfolio durchwühlen und glücklich sein. Das ist leichter gesagt als getan. Jeder Fotograf ist schließlich von seinen Bildern überzeugt und oft fällt es schwer alleine nach einem allgemeinen Maßstab wie gut oder schlecht auf die fünf definitiven Wettbewerbskandidaten zu kommen.


Außerdem müssen bei einem Fotowettbewerb andere Maßstäbe an ein Foto gelegt werden als bei einer Magazinveröffentlichung oder der Auswahl für das eigene Portfolio. Ein gutes Foto wird zwar immer ein gutes Foto bleiben und ein schlechtes ein schlechtes, aber um sich unter lauter guten Fotos durchsetzen zu können sollte man auf den Zusammenhang in dem das Foto gezeigt wird achten.

Was heißt das konkret für die Auswahl der Wettbewerbsfotos? Hier hilft ein Perspektivenwechsel. Bei den Fotos die man bei einem Wettbewerb einreicht kommt es nicht darauf an, dass sie mir gefallen, sondern der Jury.

Triff die Bildsprache des Veranstalters

Um herauszufinden was der Jury gefallen könnte ist es ratsam sich anzusehen was im Umfeld des Wettbewerbes veröffentlicht wird. Für den konkreten Fall heißt das: Welche Bilder werden im NME bevorzugt abgedruckt. Dieser Tipp ist noch recht vage und man mag ihm auch entgegenhalten, dass es vielleicht auch empfehlenswert ist von der üblichen Bildsprache abzuweichen. Das ist sicherlich richtig und führt direkt zu Tipp Nummer zwei.

Heb dich von der Masse ab.

Die Jury eines frei zugänglichen Wettbewerbs muss mehre tausende Fotos sichten. Darunter sicherlich eine ganze Reihe von guten und sehr guten Fotos. In die engere Wahl kommt unter diesen Bedingungen sicherlich nur wer es schafft im Gedächtnis der Jury zu bleiben auch wenn diese noch hundert Fotos nach den meinen gesehen hat. Es empfiehlt sich also Fotos einzureichen die in irgendeiner Hinsicht besonders sind und sich von der Masse der Fotos abheben. Gut ist es zum Beispiel immer das Thema des Wettbewerbs kreativ auszulegen und nicht das Motiv einzureichen an das jeder sofort denkt der das Thema liest. Trotzdem dürfen die Fotos aber auch nicht zu speziell oder abstrakt sein. Es muss schließlich noch klar zu erkennen sein warum die Fotos in den Wettbewerb passen. Achtung auch mit Fotos die technisch nicht ausgereift sind. Ein kreatives Motiv entschuldigt keine technischen Mängel.

Nutze die Bilderserie

Im Falle des NME Music Photography Award war ausdrücklich gefordert, dass die fünf eingereichten Bilder „ein zusammenhängendes Portfolio“ ergeben. Aber auch wenn dies nicht explizit gefordert ist empfehle ich Fotos einzureichen die zusammen passen. Das steigert wieder die Chancen im Gedächtnis der Jury zu bleiben, denn es ist nicht mehr das eine Bild mit der positiven Eigenschaft sondern derer gleich fünf.

Ich muss zugeben, dass ich mir selbst sehr schwer damit getan habe diese Tipps zu beherzigen. Zum einen isst es natürlich eine Frage des vorhandenen Materials und zum anderen galt es aus meiner Sicht beim NME Music Photography Award zwischen der gelungenen Bilderserie und dem besten Einzelbild abzuwägen. Die Ausschreibung gab hier keine eindeutigen Hinweise. Dort war nur vermerkt, dass die Fotos sowohl einzeln als auch in der Serie beurteilt würden. Am Ende meines Auswahlprozesses hatte ich zwei mehr oder weniger feste Bilderserien von je fünf Fotos.

Der einen Serie würde ich auch jetzt noch zusprechen, dass sie eher über ein eigenständiges Merkmal verfügt, das sie eventuell besonders macht. Die andere Serie hat meiner Meinung nach die stärkeren Einzelbilder. Auch nach langem hin und her Überlegen und mehreren Gesprächen mit guten Freunden und erprobten Kritikern meiner Arbeit kam ich zu keinem Ergebnis.
Letztendlich viel die Entscheidung für vier Fotos aus der einen Serie, ergänzt um das Foto von Shantel mitten im Publikum.

Ich bin meinen eigenen Vorsätzen also tatsächlich nicht ganz treu geblieben. Am Ende hoffe ich mit der Bilderserie starke Einzelbilder abgegeben zu haben, die teilweise auch alternative Motive zeigen und sich eben nicht nur auf Sanger am Mikro beschränken.
Wer mag der kann durch einen Klick auf das jeweilige Foto zur Seite des NME gelangen und dort für meinen Beitrag abstimmen. Dazu ist keine Anmeldung oder Ähnliches notwendig.

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Alessandro Penezzi Trio auf dem Horizonte Festival 2010

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Das Alessandro Penezzi Trio war die erste Band, die auf dem Horizonte Festival 2010 bei Dunkelheit auftrat. D.h. zu Beginn des Auftritts war die Dämmerung schon so weit fortgeschritten, dass auf der Bühne das Scheinwerferlicht dominierte.

Meine Erwartungen waren zunächst nicht besonders hoch, schließlich kannte ich die Band nicht und die Beschreibung ließ eher vermuten, dass es sich um einen optisch wenig beeindruckenden Auftritt der Sorte „Ein-Mann-mit-Gitarre“ handeln würde. Zunächst erschien Herr Penezzi auch alleine auf der Bühne. Was aber noch viel schwieriger war: Die Beleuchtung beschränkte sich fast ausschließlich auf rotes und blaues Gegenlicht. Zum Glück änderte sich dies nach den ersten zwei Liedern.

Spätestens mit Auftritt des Geigers wurde dann auch klar, dass dieser Auftritt richtig schön zu fotografieren ist. Es macht einfach Spaß wenn die Musiker auf der Bühne tanzen und pure Spielfreude versprühen. Das sieht man auch gleich auf den Bildern.

Einen Überblick über die anderen Bands des ersten Tages auf dem Horizonte Festival gibt es hier.

Horizonte Festival 2010 – der erste Tag

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Fotografieren auf einem Festival bedeutet normalerweise jede Menge Arbeit und Stress. Man läuft den ganzen Tag von Bühne zu Bühne um möglichst keine Band zu verpassen. Das Resultat: Am Ende des Tages hat man ein vielfaches der Fotos gemacht die auf einem normalen Solokonzert entstehen. Eigentlich auch logisch, mehr Bands bedeuten auch mehr Motive bedeuten auch mehr Fotos.
Dennoch war das Horizonte Festival vergleichsweise entspannt. Die Akkreditierung klappte noch auf den letzten Drücker, weil im Vorfeld irgendwas schief gegangen ist. Gut, dass die Veranstalter dort sehr locker drauf sind. Also ging es Freitag spontan doch noch nach Koblenz auf die Festung Ehrenbreitstein. Das Wetter spielte mit und ich war vor allem gespannt darauf die 17 Hippies noch einmal vor meine Linse zu bekommen. Doch schon nach der ersten Band des Tages (Hanggai aus China) stand fest, dass das Festival auch jenseits der Headliner spannend werden würde. Spannend war auch zu sehen, dass musikalisch gute Bands nicht immer auch fotografisch spannend sein müssen und optisch schöne Auftritte müssen nicht immer mit der besten Musik verbunden sein. Wenn beides zusammen kommt macht es natürlich am meisten Spaß, aber so lange ich mit der Kamera unterwegs bin geht für mich die Optik doch ganz klar vor.
Am Ende des ersten Festivaltages hatte ich jedenfalls schon mehr Bilder gemacht als vielleicht gut war. Wobei das nicht heißen soll, dass die Bilder an sich nicht gut geworden sind, ganz im Gegenteil. Man darf nur nicht die Zeit unterschätzen, die für die Sichtung und Nachbearbeitung der Bilder investiert werden muss. Dies ist nämlich der bei weitem aufwändigere Teil der Arbeit eines Konzertfotografen.
Da es bei so viel Arbeit natürlich auch schade wäre hier nur einen extrem kleinen Teil der Fotos zu zeigen habe ich mich entschlossen, ähnlich wie auch schon beim Jazz & Joy Festival mehrere Artikel zu veröffentlichen. Neben einem Artikel zu den beiden Festivaltagen im Überblick werde ich in den nächsten beiden Wochen je ein Special zu den vier aus fotografischer Sicht spannendsten Auftritten veröffentlichen. Die Artikel erscheinen ca. im Abstand von zwei Tagen. Aber erst mal viel Spaß mit den Bildern vom ersten Tag des Horizonte Festivals 2010.