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Festivalfotografie – mehr als X Konzerte an einem Tag

Die Festival-Saison 2011 läuft auf Hochtouren. Die ersten großen Festivals sind schon vorbei und im Kasten, einige kommen noch. Ein guter Zeitpunkt also sich ein wenig Gedanken darüber zu machen, was ein Festival für Fotografen besonders macht.

Klar, zunächst wäre da der Fakt, dass man selten so viele Band in so kurzer Zeit und auf so engem Raum fotografieren kann wie auf einem Festival. Außerdem finden Festivals fast ausschließlich Open Air statt und ein paar davon gehören zu den unbestreitbar größten Konzertveranstaltungen die die Republik so zu bieten hat.

Mehr als genug Gründe also, warum das Fotografieren auf einem Festival viel mehr ist als X Konzerte an einem Tag abzulichten.

Ein paar wichtige Dinge zur Festivalfotografie möchte ich hier festhalten. weiterlesen

Das Bürokratie-Community-Paradoxon

Vier Konzerte und er müsse fünf Verträge unterschreiben, in denen geregelt wird, wie, wo und wann er seine Fotos benutzen dürfe. Diese Meldung twitterte mein Kollege Peter Wafzig in der vergangenen Woche. Auch mir begegnete die Bürokratie rund um das Fotografieren auf Konzerten wieder auf merkwürdige Weise. Was da so passiert erscheint mir schräg, aber wer sich nicht besonders intensiv mit Konzertfotografie beschäftigt bemerkt es vielleicht gar nicht. Trotzdem betrifft es jeden der auf ein Konzert geht, womit auch die Motivation für diesen Artikel erklärt wäre.

Zwei an sich unbedeutende Kleinigkeiten. Zuerst setzt der Musikexpress einen tweet ab. Der Inhalt:

Schickt uns Artikel, Konzertberichte, Bilder und Top-Ten-Listen für unsere Homepage: onlineredaktion@musikexpress.de

Ein Narr, wer dabei denkt hier würden Mitarbeiter gesucht die ein Honorar für ihre Arbeit bekommen. Auf meine Nachfrage bekam ich eine freundliche Antwort in der darauf verwiesen wurde, dass man Autoren und Fotografen für die Community auf musikexpress.de suche und diese Mitarbeit nicht honoriert würde. Man sucht dort also gezielt nach Amateuren, die Fotos zur Verfügung stellen ohne dafür Geld zu verlangen. Der Musikexpress ist hier nur ein Beispiel und keinesfalls das einzige Blatt das auf diese Art versucht an Inhalte zu kommen.

Das zweite Ereignis der Woche war eine Akkreditierungsbestätigung. Die Band, die ich gerne fotografieren würde ist gerade nicht auf dem aufsteigenden Ast. Hier ein Auszug aus den in der Bestätigung genannte Bedingungen:

Für diese Fotoakkreditierung gilt: […]
– Bilder dürfen nur in angegebenen Magazin/ Portal benutzt werden

Nun, dieser Punkt ist (wahrscheinlich aufgrund eines Tippfehlers) nicht ganz eindeutig. Der Verdacht liegt aber Nahe, dass hier die Nutzung der Fotos durch den Fotografen auf ein Medium eingeschränkt werden soll.

Meine Nachfrage diesbezüglich läuft noch.

Es ist aber auch unerheblich was im konkreten Fall dahinter steckt, denn beide Ereignisse waren nicht mehr als ein Anstoß zu einem Gedankengang. Was ist, wenn man beides in letzter Konsequenz zu ende denkt? Die Veranstalter/ Bandmanagements/ Künstler schränken immer häufiger ein, unter welchen Bedingungen Fotos gemacht werden dürfen und wie die offiziell gemachten Fotos verwendet werden können. Es geht ihnen um Kontrolle. Das Bild des Künstlers in der Öffentlichkeit soll möglichst selbst konsturiert bestimmt werden.

Die Medien hingegen (auch die Einschlägigen) versuchen immer mehr Inhalte kostenlos zu generieren. Sie setzen auf Amateure, was gar nicht mal zu schlechteren Ergebnissen führt. Aber führt es nicht auch dazu, dass sich Konzertbesucher fast schon dazu aufgefordert sehen mal die Kamera mit auf ein Konzert zu nehmen und Fotos plus Bericht am nächsten Tag in eine Community zu laden? Ich bin mir sicher, die Betreiber solcher Seiten gehen hier kein Risiko ein. Irgendwo im Kleingedruckten wird schon stehen, dass man nur Inhalte hochladen darf an denen man auch die Rechte hat. Aber kommt das bei den Nutzern an?

Als Konzertfotograf, der versucht professionell zu arbeiten, steht man zwischen diesen beiden Fronten. Die Bürokratie macht unsere Arbeit immer weniger attraktiv. Wenn ich meine Fotos des oben erwähnten Konzerts nur in einem einzigen Medium veröffentlichen darf, dann lohnt sich der Aufwand für mich nicht. So interessant wird die breite Öffentlichkeit die Veranstaltung nicht finden, dass ein Blatt genug dafür zahlt um meine Unkosten zu decken. Denn warum sollten Sie auch mehr zahlen. In ihrer hauseigenen Community bekommen die Blätter ja kostenlos Fotos.

Und viel mehr noch: Worst Case ist eine Abwärtsspirale. Künstler/ Managements/ Veranstalter versuchen zu kontrollieren. Das können sie aber nur bei offiziell akkreditierten Fotografen. Die immer häufiger zu findenden Inhalte von Fans machen dies unmöglich. In Folge dessen reagieren Künstler/ Managements/ Veranstalter mit noch mehr Einschränkungen, die natürlich zuerst die offiziell akkreditierten Fotografen treffen. Paradox!

Der Gipfel des Trauerspiels ist sicherlich wenn Fans ihre Kompaktkameras und teilweise auch Fotohandys am Eingang abgeben müssen. Noch ist das die Ausnahme, aber ich habe es schon erlebt.

Habt ihr ähnliche Erlebnisse auf Konzerten, oder in anderen Bereichen der Fotografie? Ich freue mich auf eure Kommentare.

Keine Fotos von Gogol Bordello

Jaja, die Bürokratie hat mal wieder zugeschlagen. Als Konzertfotograf ist es ein leidiges Thema, mit dem man sich leider immer wieder rumschlagen muss. Akkreditierungen werden nur erteilt wenn man bestimmte Bedingungen erfüllt, oft erfährt man erst ein oder zwei Tage vor dem Konzert ob man Fotos machen darf, oder man bekommt überhaupt keine Antwort auf eine Anfrage. Noch nicht einmal am Telefon. Hat man dann die Zusage zum begehrten Fotopass so bedeutet das leider auch noch nicht viel. Oft sind es die Bedingungen die vor Ort bestimmt werden, die den Fotografen das Leben schwer machen. Das 3-Songs-Limit z.B. oder Fotopositionen, die ohne ersichtlichen Grund so weit weg von der Bühne und den Musikern sind, dass selbst mit Teleobjektiv nicht mehr viel zu machen ist.

Die mit Abstand ärgerlichste Form der Bürokratie sind aber Verträge, die einem vom Management der Band vor dem Konzert vorgelegt werden und die die Arbeit der Fotografen regeln sollen. Regeln heißt hier natürlich einschränken! So auch bei Gogol Bordello.

Der Vertrag der mir an der Abendkasse vorgelegt wurde beinhaltete zahlreiche Punkte, die nicht alle erwähnenswert sind, weil sie z.B. Selbstverständlichkeiten regelten. Dazu gehört das Verbot von Blitzen. Das Limit von maximal drei Songs war darin enthalten, okay damit habe ich mich ja schon lange abgefunden. Immerhin galt auch bei Gogol Bordello nicht pauschal die ersten drei Songs, sondern die Songs 4, 5 und 6. Da hatte sich wohl jemand Gedanken gemacht, gut so! Woran ich dann aber doch Anstoß nahm waren zwei Punkte: Es wurde von mir verlangt, dass ich die Medien bzw. das Medium benenne für das ich Fotografiere und mir gleichzeitig verboten meine Fotos für irgendetwas anderes zu verwenden als für dieses eine Medium. Auf den ersten Blick klingt das vielleicht nicht schlimm, aber de facto bedeutet dies, dass ein solcher Abend für mich als Fotograf nicht mehr gewinnbringend sein kann. Die Honorare die heute gezahlt werden sind viel zu niedrig um mit einer einzige Veröffentlichung eines Fotos die Unkosten decken zu können. Eigentlich jeder Fotograf, der versucht nicht draufzubezahlen ist deshalb bemüht seine Fotos auf verschiedenen Wegen anzubieten.

Ganz nebenbei ist dieser Passus auch der Grund, warum es mir nicht erlaubt ist meine eigenen Fotos auf dieser, meiner eigenen Seite zu zeigen.

Als ob dies nicht genug wäre hat sich Gogol Bordello im übrigen auch noch zusichern lassen, dass sie meine Fotos völlig kostenlos nutzen dürfen. Und das nicht wie ich nur in bestimmten Medien, sondern „throughout the universe“ und ohne zeitliche Beschränkung. Danke, klar schenke ich euch gerne meine Arbeit!

Naja, immerhin kann man sich in Deutschland Gott sei Dank ziemlich sicher sein, dass dieser Passus rechtswidrig ist. Schade nur, dass dies nichts an den anderen Beschränkungen ändert. Und außerdem müsste ich mir mein Recht teuer erstreiten, sollten Gogol Bordello tatsächlich auf die Idee kommen meine Fotos für sich zu verwenden.

Vielleicht hätte ich auch einfach an der Abendkasse umdrehen sollen, meine Kamera wieder im Auto (ja ich hatte sogar eines dabei) verstauen sollen und mir einfach nur das Konzert ansehen sollen. Aber ich hatte mich schon sehr darauf gefreut Gogol Bordello zu fotografieren, weil ich wusste was für eine Show sie machen und weil ich die Band einfach gut finde.

Das nächste Mal werde ich jedenfalls genau das tun. Bis dahin kann ich wenigstens darauf verweisen, dass meine Fotos auf www.regiomusik.de zu sehen sind. Den Link dorthin hat mir ja niemand verboten. Glaube ich zumindest, denn eine Kopie des Vertrages für meine Akten wurde mir verweigert.

Mumford & Sons im Palladium Köln

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Konzertfotografie ist ein Abenteuer. Das habe ich schon immer so gesehen. Manchmal sind aber zumindest Teile des Abenteuers mir selbst zuzuschreiben. So zum Beispiel das Abenteuer am Montag abend bei herbstlichem Dauerregen mit dem Rad quer durch die Stadt zum Palladium zu fahren. Was macht man nicht alles wenn man kein Auto besitzt.

Für den anderen, und weitaus dramatischeren Teil des Abenteuers am Montag sorgte dann aber die Bürokratie. Am Palladium angekommen melde ich mich wie immer an der Abendkasse, bekam ein schickes gelbes Armbändchen und wurde promt am Einlass gestoppt.  Fotopass? Verdammt also nochmal zur Kasse, muss die Dame wohl vergessen haben. Aber mit nichten. Für mich war gar kein Fotopass vorgesehen, nur eine Pressekarte hätte man für mich vorgesehen. Stimmt. In der Bestätigungsmail stand nur was von Pressekarte. Da hätte ich die Worte wohl mehr auf die Goldwaage legen sollen. Ich hatte um „Akkreditierung als Fotograf“ gebeten. Da war es für mich logisch, dass die Antwort „gerne akkreditieren wir Sie, eine Pressekarte liegt bereit“ dann auch die Fotoerlaubnis mit einschließt. Was soll ich schließlich als Fotograf auf einem Konzert, wenn ich nicht fotografieren darf bzw. man mich mit Kamera noch nicht einmal reinlässt. Tja, falsch gedacht und dazu gelernt, dass ich wohl immer auf das Wort „Fotopass“ explizit bestehen sollte.

In solchen Situationen hilft nur ruhig bleiben, nett bleiben und sehen, ob man nicht doch noch (ausnahmsweise) was für mich tun kann. Konnte man auch und für die Flexibilität des Veranstalters, dann doch noch einen Fotopass herbei zu zaubern bin ich auch dankbar.

Leider hatte die Bürokratie damit aber noch kein Ende. Nach drei Songs war Schluss für die Fotografen, dass das so sein würde war mir auch schon im Vorfeld klar. Oben drauf kam am Montag die Auflage, dass die Fotografen den Rest des Konzertes nur ohne Kamera ansehen dürfen. Eine Möglichkeit die Ausrüstung wegzuschließen gab es vor Ort aber natürlich nicht. „Ins Auto damit.“ war die lapidare Antwort und der dumme Gesichtsausdruck als ich erwiderte, dass ich leider gar kein Auto besitze sprach Bände. 2:0 für das Automobil an diesem Abend. Am Ende landete meine Kamera dann in der Garderobe wofür ich mich auch nochmal anmachen lassen musste, weil die das Zeug auch nicht haben wollten. Eigentlich richtig, aber der Ton war sehr daneben. So macht die Arbeit keinen Spaß.

Dafür freut man sich wieder auf Konzerte mit kleineren Bands und kleineren Locations.