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Die c/o pop – Ein Festival, das so recht keines ist

Wer meine Aktivitäten auch auf Facebook und Google+ verfolgt wird es mitbekommen haben. Ich war in der vergangenen Woche auf dem c/o pop Festival unterwegs. Noch nie gehört? Nun, im vergangenen Jahr wurde das c/o pop Festival sogar mit einem brancheninternen Preis für das beste Indoor Festival ausgezeichnet. Auf dem Line-up standen in diesem Jahr Tim Bendzko, Katzejammer, Dillon, Joan as Police Woman, Kakkmaddafakka und viele, viele andere Bands.

Aber mal ehrlich: Preise hin, Line-up her, mir fällt es schwer die c/o pop als Festival ernstzunehmen.

Natürlich kenne ich bei weitem nicht alle Details und kann auch nur meine Sicht als Pressevertreter auf dem Festival schildern. Aber immerhin hatte ich an einigen Stellen direkt mit der Organisation des Festivals zu tun und muss sagen, dass ich erstaunt bin. weiterlesen

Das Bürokratie-Community-Paradoxon

Vier Konzerte und er müsse fünf Verträge unterschreiben, in denen geregelt wird, wie, wo und wann er seine Fotos benutzen dürfe. Diese Meldung twitterte mein Kollege Peter Wafzig in der vergangenen Woche. Auch mir begegnete die Bürokratie rund um das Fotografieren auf Konzerten wieder auf merkwürdige Weise. Was da so passiert erscheint mir schräg, aber wer sich nicht besonders intensiv mit Konzertfotografie beschäftigt bemerkt es vielleicht gar nicht. Trotzdem betrifft es jeden der auf ein Konzert geht, womit auch die Motivation für diesen Artikel erklärt wäre.

Zwei an sich unbedeutende Kleinigkeiten. Zuerst setzt der Musikexpress einen tweet ab. Der Inhalt:

Schickt uns Artikel, Konzertberichte, Bilder und Top-Ten-Listen für unsere Homepage: onlineredaktion@musikexpress.de

Ein Narr, wer dabei denkt hier würden Mitarbeiter gesucht die ein Honorar für ihre Arbeit bekommen. Auf meine Nachfrage bekam ich eine freundliche Antwort in der darauf verwiesen wurde, dass man Autoren und Fotografen für die Community auf musikexpress.de suche und diese Mitarbeit nicht honoriert würde. Man sucht dort also gezielt nach Amateuren, die Fotos zur Verfügung stellen ohne dafür Geld zu verlangen. Der Musikexpress ist hier nur ein Beispiel und keinesfalls das einzige Blatt das auf diese Art versucht an Inhalte zu kommen.

Das zweite Ereignis der Woche war eine Akkreditierungsbestätigung. Die Band, die ich gerne fotografieren würde ist gerade nicht auf dem aufsteigenden Ast. Hier ein Auszug aus den in der Bestätigung genannte Bedingungen:

Für diese Fotoakkreditierung gilt: […]
– Bilder dürfen nur in angegebenen Magazin/ Portal benutzt werden

Nun, dieser Punkt ist (wahrscheinlich aufgrund eines Tippfehlers) nicht ganz eindeutig. Der Verdacht liegt aber Nahe, dass hier die Nutzung der Fotos durch den Fotografen auf ein Medium eingeschränkt werden soll.

Meine Nachfrage diesbezüglich läuft noch.

Es ist aber auch unerheblich was im konkreten Fall dahinter steckt, denn beide Ereignisse waren nicht mehr als ein Anstoß zu einem Gedankengang. Was ist, wenn man beides in letzter Konsequenz zu ende denkt? Die Veranstalter/ Bandmanagements/ Künstler schränken immer häufiger ein, unter welchen Bedingungen Fotos gemacht werden dürfen und wie die offiziell gemachten Fotos verwendet werden können. Es geht ihnen um Kontrolle. Das Bild des Künstlers in der Öffentlichkeit soll möglichst selbst konsturiert bestimmt werden.

Die Medien hingegen (auch die Einschlägigen) versuchen immer mehr Inhalte kostenlos zu generieren. Sie setzen auf Amateure, was gar nicht mal zu schlechteren Ergebnissen führt. Aber führt es nicht auch dazu, dass sich Konzertbesucher fast schon dazu aufgefordert sehen mal die Kamera mit auf ein Konzert zu nehmen und Fotos plus Bericht am nächsten Tag in eine Community zu laden? Ich bin mir sicher, die Betreiber solcher Seiten gehen hier kein Risiko ein. Irgendwo im Kleingedruckten wird schon stehen, dass man nur Inhalte hochladen darf an denen man auch die Rechte hat. Aber kommt das bei den Nutzern an?

Als Konzertfotograf, der versucht professionell zu arbeiten, steht man zwischen diesen beiden Fronten. Die Bürokratie macht unsere Arbeit immer weniger attraktiv. Wenn ich meine Fotos des oben erwähnten Konzerts nur in einem einzigen Medium veröffentlichen darf, dann lohnt sich der Aufwand für mich nicht. So interessant wird die breite Öffentlichkeit die Veranstaltung nicht finden, dass ein Blatt genug dafür zahlt um meine Unkosten zu decken. Denn warum sollten Sie auch mehr zahlen. In ihrer hauseigenen Community bekommen die Blätter ja kostenlos Fotos.

Und viel mehr noch: Worst Case ist eine Abwärtsspirale. Künstler/ Managements/ Veranstalter versuchen zu kontrollieren. Das können sie aber nur bei offiziell akkreditierten Fotografen. Die immer häufiger zu findenden Inhalte von Fans machen dies unmöglich. In Folge dessen reagieren Künstler/ Managements/ Veranstalter mit noch mehr Einschränkungen, die natürlich zuerst die offiziell akkreditierten Fotografen treffen. Paradox!

Der Gipfel des Trauerspiels ist sicherlich wenn Fans ihre Kompaktkameras und teilweise auch Fotohandys am Eingang abgeben müssen. Noch ist das die Ausnahme, aber ich habe es schon erlebt.

Habt ihr ähnliche Erlebnisse auf Konzerten, oder in anderen Bereichen der Fotografie? Ich freue mich auf eure Kommentare.