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„Zwangsverträge für Konzertfotografen“ in ZAPP das Medienmagazin

Nach 1Live und 3Sat hat sich in dieser Woche auch der NDR mit der Sendung ZAPP dem Thema „Zwangsverträge für Konzertfotografen“ angenommen. Ausschlaggebend war wiedermal Coldplay, die zum Abschluss ihres Deutschland-Gastspiels in Hannover auftraten.

Ich finde den Beitrag sehr gelungen. Nicht nur, weil er, verglichen mit anderen Beiträgen dieser Art, sehr lang ist, sondern auch, weil er das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Im Vergleich dazu wirkten manche der Beiträge die bisher gelaufen sind eher aus der Hüfte geschossen.

Positiv aufgefallen ist mir auch, dass sich die Redaktion von ZAPP zumindest bemüht hat auch die Seite der Konzertveranstalter zu Wort kommen zu lassen. Schade, dass dies – wie im Beitrag erwähnt – aus terminlichen Gründen nicht geklappt hat.

Das mit Abstand Beste am Beitrag des NDR ist aber, dass zusätzlich zum gesendeten Beitrag auch die Interviews in voller Länge online sind. Diese Videos sind leider nicht bei youtube zu finden, aber über die Website des NDR Abrufbar.

Hier lohnt es sich auf jeden Fall reinzuschauen, denn die befragten Experten haben weit mehr zu sagen als in den sechsminütigen Sendebeitrag passte. Insgesamt liefert der NDR hier gute 50min Interviewmaterial in dem sich so manch interessante Aussage versteckt. Auf ein paar Punkte möchte ich hier eingehen. weiterlesen

Ein offener Brief an 1Live

Lady Gaga hat keine Fotografen bei ihrem Konzert zugelassen. Bei Coldplay gab es einen Vertrag mit Klauseln, die uns Fotografen in ihren Rechten beschränkten. Grund genug sich zu ärgern. Dennoch finde ich die Diskussion oft einseitig. Hier meine Antwort auf den Beitrag von 1Live der Gestern die Runde machte:

Liebe 1Live-Redaktion,

ich bin einer der Fotografen, die am Dienstag Abend auf dem Konzert von Coldplay fotografiert haben. Ich bin einer der Fotografen, die den von Coldplay vorgelegten Vertrag unterschrieben haben. Unter anderem, weil ich es mir als unterstes Glied in der Nahrungskette einen Boykott nicht leisten kann.

Umso dankbarer bin ich, dass ihr mit eurem Aufmacher heute Morgen scheinbar für mich (und alle anderen Journalisten) Partei ergreift.

Es freut mich, dass ihr ausführlich darauf eingeht, mit welchen Verträgen und Bedingungen heutzutage die Berichterstattung belegt wird. Ihr macht damit einem breiten Publikum deutlich wie stark Künstler und deren Management versuchen ihr Bild in der Öffentlichkeit zu beeinflussen. Zurecht sprecht ihr von einem „nicht hinnehmbaren Eingriff in die Berichterstattung“ und nehmt sogar Ausdrücke wie „Zensur“ in den Mund.

Trotzdem bleiben für mich zwei Fragen, die ich euch gerne stellen möchte.
Wem nutzt euer Aufreger, solltet ihr selbst keine Taten folgen lassen? Und sitzt ihr nicht mit denen, die ihr da anprangert in einem Boot? weiterlesen

Das Bürokratie-Community-Paradoxon

Vier Konzerte und er müsse fünf Verträge unterschreiben, in denen geregelt wird, wie, wo und wann er seine Fotos benutzen dürfe. Diese Meldung twitterte mein Kollege Peter Wafzig in der vergangenen Woche. Auch mir begegnete die Bürokratie rund um das Fotografieren auf Konzerten wieder auf merkwürdige Weise. Was da so passiert erscheint mir schräg, aber wer sich nicht besonders intensiv mit Konzertfotografie beschäftigt bemerkt es vielleicht gar nicht. Trotzdem betrifft es jeden der auf ein Konzert geht, womit auch die Motivation für diesen Artikel erklärt wäre.

Zwei an sich unbedeutende Kleinigkeiten. Zuerst setzt der Musikexpress einen tweet ab. Der Inhalt:

Schickt uns Artikel, Konzertberichte, Bilder und Top-Ten-Listen für unsere Homepage: onlineredaktion@musikexpress.de

Ein Narr, wer dabei denkt hier würden Mitarbeiter gesucht die ein Honorar für ihre Arbeit bekommen. Auf meine Nachfrage bekam ich eine freundliche Antwort in der darauf verwiesen wurde, dass man Autoren und Fotografen für die Community auf musikexpress.de suche und diese Mitarbeit nicht honoriert würde. Man sucht dort also gezielt nach Amateuren, die Fotos zur Verfügung stellen ohne dafür Geld zu verlangen. Der Musikexpress ist hier nur ein Beispiel und keinesfalls das einzige Blatt das auf diese Art versucht an Inhalte zu kommen.

Das zweite Ereignis der Woche war eine Akkreditierungsbestätigung. Die Band, die ich gerne fotografieren würde ist gerade nicht auf dem aufsteigenden Ast. Hier ein Auszug aus den in der Bestätigung genannte Bedingungen:

Für diese Fotoakkreditierung gilt: […]
– Bilder dürfen nur in angegebenen Magazin/ Portal benutzt werden

Nun, dieser Punkt ist (wahrscheinlich aufgrund eines Tippfehlers) nicht ganz eindeutig. Der Verdacht liegt aber Nahe, dass hier die Nutzung der Fotos durch den Fotografen auf ein Medium eingeschränkt werden soll.

Meine Nachfrage diesbezüglich läuft noch.

Es ist aber auch unerheblich was im konkreten Fall dahinter steckt, denn beide Ereignisse waren nicht mehr als ein Anstoß zu einem Gedankengang. Was ist, wenn man beides in letzter Konsequenz zu ende denkt? Die Veranstalter/ Bandmanagements/ Künstler schränken immer häufiger ein, unter welchen Bedingungen Fotos gemacht werden dürfen und wie die offiziell gemachten Fotos verwendet werden können. Es geht ihnen um Kontrolle. Das Bild des Künstlers in der Öffentlichkeit soll möglichst selbst konsturiert bestimmt werden.

Die Medien hingegen (auch die Einschlägigen) versuchen immer mehr Inhalte kostenlos zu generieren. Sie setzen auf Amateure, was gar nicht mal zu schlechteren Ergebnissen führt. Aber führt es nicht auch dazu, dass sich Konzertbesucher fast schon dazu aufgefordert sehen mal die Kamera mit auf ein Konzert zu nehmen und Fotos plus Bericht am nächsten Tag in eine Community zu laden? Ich bin mir sicher, die Betreiber solcher Seiten gehen hier kein Risiko ein. Irgendwo im Kleingedruckten wird schon stehen, dass man nur Inhalte hochladen darf an denen man auch die Rechte hat. Aber kommt das bei den Nutzern an?

Als Konzertfotograf, der versucht professionell zu arbeiten, steht man zwischen diesen beiden Fronten. Die Bürokratie macht unsere Arbeit immer weniger attraktiv. Wenn ich meine Fotos des oben erwähnten Konzerts nur in einem einzigen Medium veröffentlichen darf, dann lohnt sich der Aufwand für mich nicht. So interessant wird die breite Öffentlichkeit die Veranstaltung nicht finden, dass ein Blatt genug dafür zahlt um meine Unkosten zu decken. Denn warum sollten Sie auch mehr zahlen. In ihrer hauseigenen Community bekommen die Blätter ja kostenlos Fotos.

Und viel mehr noch: Worst Case ist eine Abwärtsspirale. Künstler/ Managements/ Veranstalter versuchen zu kontrollieren. Das können sie aber nur bei offiziell akkreditierten Fotografen. Die immer häufiger zu findenden Inhalte von Fans machen dies unmöglich. In Folge dessen reagieren Künstler/ Managements/ Veranstalter mit noch mehr Einschränkungen, die natürlich zuerst die offiziell akkreditierten Fotografen treffen. Paradox!

Der Gipfel des Trauerspiels ist sicherlich wenn Fans ihre Kompaktkameras und teilweise auch Fotohandys am Eingang abgeben müssen. Noch ist das die Ausnahme, aber ich habe es schon erlebt.

Habt ihr ähnliche Erlebnisse auf Konzerten, oder in anderen Bereichen der Fotografie? Ich freue mich auf eure Kommentare.